318 ſcheu gegen einen Mann bis zum Uebermaß des Haſſes fortgeriſſen, und zwar wegen eines Benehmens, von dem Norvins kaum glaubte, daß ſie es als fehlerhaft hatte betrachten können. Wenn daher ſein Triumph über van Halsdt ſeinem Herzen einiges Vergnügen gewährte, ſo mußte ihn das geheime Bewußtſeyn, daß ihm ſelbſt die nämliche Eigenſchaft fehle, deren Mangel ſie an ſeinem Feind verdammte, ſchaudern machen.
„Während er ſolche Betrachtungen anſtellte, drang ihm eine Unterhaltung zu Ohren, die in der nächſten Loge geführt wurde, wo eine ſtarke Anzahl von jungen Leuten mit zwei bis drei Frauenzimmern ſaßen. deren Mienen, Kleidung und Manieren wenigſtens etwas Zwei⸗ deutiges hatten.
„Alſo, Alphonſe, iſt Ihr Wunſch doch noch in Er⸗ füllung gegangen?“ fragte ein Jüngling einen ſtattlichen jungen Mann mit ſchwarzem Schnurrbart, deſſen ſchlich⸗ ter blauer Rock den Soldaten nicht verbergen konnte.
„Ja,“ verſetzte er mit tiefer wohltönender Stimme;
„unſer Doktor hat die Sache für mich eingeleitet— er
erklärte mich für unfähig, vor morgen zu marſchiren; er ſagte, meine alte Wunde im Arm gebe beunruhigende Symptome und erfordere ein wenig mehr Ruhe; aber beim St. Denis, ich ſehe in dem ganzen Plan am Ende wenig Gewinn. Dieſer„Weißbuſch“ hat ſich nicht zurück⸗ gewagt, und ich muß morgen fort, ohne ihn zu treffen.“
„Dieſe Worte, die etwas laut geſprochen wurden, konnten im hintern Theile der angrenzenden Loge leicht verſtanden werdene und kaum waren ſie ausgeſprochen, als van Halsdt, der den ganzen Abend weit zurück und allen Blicken verborgen ſaß, ſein Geſicht mit beiden Händen bedeckte und mehrere Minuten in dieſer Stellung blieb. Als er ſie wegthat, war die Veränderung in ſeinem Geſichte in der That fürchterlich. Obgleich ſeine Wangen todtenblaß waren, ſo waren ſeine Augen blut⸗ rünſtig und die Augenlider aufgeſchwollen; auch ſeine Lippen waren verſchoben und zitterten wie bei einem


