Teil eines Werkes 
1 bis 5. Bändchen (1846)
Entstehung
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ſah, eine Art ruhiger, kalter Verachtung aus, weit ſchrecklicher zu ertragen, als jede Art von offenem Vor⸗ wurf. Zwei bis drei Mal hatte er den Verſuch gemacht, irgend ein Thema zur Unterhaltung aufzubringen, aber vergeblich, ſeine Bemerkungen blieben entweder uner⸗ wiedert oder fanden eine kalte, zurückgehaltene, noch kränkendere Zuſtimmung. Endlich fragte er, gleichſam entſchloſſen, ihre eiſige Zurückhaltung gegen ihn zu durch⸗ brechen, in einem Tone erkünſtelter Gleichgültigkeit.

Etwas neues in Frankfurt, mein Fräufein, ſeit ich das Vergnügen hatte, Sie zum letztenmale zu ſehen?

Ich wüßte nichts, mein Herr, außer daß das franzöſiſche Küraſſier⸗Regiment dieſen Morgen nach Baden aufgebrochen iſt, wovon Sie jedoch ohne Zweifel ſchon unterrichtet ſind

Auf jedes dieſer letztern Worte legte ſie einen un⸗ gebührlichen Nachdruck, indem ſie ihre Augen feſt auf ihn heftete und in leiſem gemeſſenem Tone ſprach. Er wurde für ein Paar Augenblicke feuerroth, faſt ſchwarz. Sein Schnurrbart ſchien beinahe zu ſtarren bei der krampfhaften Bewegung ſeiner Oberlippe, dann wurde er plötzlich todtenblaß, während große Schweißtropfen auf ſeiner Stirne ſtanden und auf ſeine Wangen herab⸗ fielen. Es wurde kein Wort mehr geſprochen. Sie er⸗ reichten bald das Theater, wo Norvius Margarethen ſeinen Arm bot, während ihnen van Halsdt langſam die Treppe hinauf folgte.

Das Stück war von Leſſing und wurde gut gegeben, dennoch konnte Norvins demſelben keine Aufmerkſamkeit widmen, ſeine ganze Seele war von andern Gedanken eingenommen. Margaretha erſchien ihm in einem von dem bisherigen ganz verſchiedenen Lichte; nicht weniger liebenswurdig und doch ganz anders! das geſetzte, ſanfte Mädchen, deſſen ruhige Gedanken niemals auf Gegen⸗ ſtänden heftiger Leidenſchaft oder Aufregung zu verwei⸗ len ſchienen, das die bloße Nähe eines an Ueberladung

grenzenden Gefuhles ſloh, ſchien jetzt durch ihren Ab⸗