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ſeltſame und unverantwortliche Sache iſt unſer Triumph über andere, wenn ihnen diejenigen Eigenſchaften fehlen, deren wir ſelbſt ermangeln. Keiner ſchreit ſo laut über Unehrenhaftigkeit und Trug, als wer ſich in ſeinem eigenen Innern für einen Schurken hält. Wer kann über weibliche Schwachheit ſchärfer losziehen als die, die den Stachel derſelben in ihrem eigenen Gewiſſen hat? Man erinnert ſich, daß der große Reiſende Mungo Park die Tiefe der Flüſſe in Afrika dadurch zu berechnen pflegte, daß er ſchwere Steine über ihre Ufer hinein⸗ rollte und die Blaſen beobachtete, die auf die Ober⸗ fläche ſtiegen. So kann man oft ein angebornes Laſter nach dem Grade der Verwünſchung berechnen, womit irgend ein Sittenrichter über daſſelbe loszieht. Glauben Sie mir, dieſe ſchweren Züchtigungen des Verbrechens ſind oft nichts als der Ruf des erwachten Gewiſſens. Meine Worte hierüber ſind ſtark, aber meine Ueberzeugung iſt tief. Jedoch zu meiner Geſchichte:— Margaretha und ihr Liebhaber waren gewohnt, jeden Abend das Theater zu beſuchen, wo der Miniſter eine Loge hatte; und als ſie eines Abends wie gewöhnlich in den Wagen ſtiegen, hielt van Halsdt vor der Thüre und fragte, ob er ſie begleiten dürfe. An eine Weigerung war natür⸗ lich nicht zu denken— er war ein Mitglied der Ge⸗ ſandtſchaft— er hatte nichts gethan, wodurch er ſeine Stellung verwirkt hätte, ſo viel er auch in der öffent⸗ lichen Meinung verloren hatte; ſie bewilligten ihm daher ſeine Bitte, jedoch mit einer Art kalter Höflichkeit, die jeder andere als eine Weigerung gedeutet hätte. 4 „Während ſie ſchweigend dahinfuhren, vermehrte ſich der Zwang mit jedem Augenblicke, und ohne das lang unterdrückte Gefühl des Haſſes gegen einen Neben⸗ buhler hätte Norvins gegen van Halsdt, der, nicht mehr mit ſeinem heitern Lächeln ſelbſtzufriedener Gleichgültig⸗ keit, ſondern mit ſchwer umwölkter Stirne ſtumm und bleich dort ſaß. Mitleid fühlen können. Was Marga⸗ retha betraf, ſo druͤckten ihre Züge, ſo oft ſie ihn an⸗


