Teil eines Werkes 
1 bis 5. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

315⁵

die franzöſiſche Armee zu treten, die damals Krieg gegen Oeſterreich führte. Er galt für einen Mann von hoch⸗ fahrender Leidenſchaftlichkeit und heftigem Temperament, und es war durchaus nicht wahrſcheinlich, daß der Um⸗ ſtand ſeiner Abſetzung und Verbannung ihn gebeſſert haben ſollte. Wie dem auch ſey, van Halsdt hatte ſeinem Vater irgend ein Verſprechen gegeben, und dieß beſtimmte ihn, ſeinem Gegner aus dem Wege zu bleiben. Es ging das Gerücht, er habe feierlich verſprochen, unter keinem Vorwand eine Herausforderung zu erlaſſen oder anzunehmen. Wie es auch mit dem Verſprechen ſtund, ſo viel iſt gewiß, er verließ Frankfurt an demſelben Tage, wo das Regiment in die Stadt marſchirte, und zog ſich nach Wiesbaden zurück.

Dieß wurde bald der Gegenſtand des Stadtge⸗ ſpräches, und es gab eine Menge, die die Abreiſe des Herrn van Halsdt viel lieber Klugheits⸗Rückſichten zu⸗ ſchreiben wollten, als daß ſie einem ſo wilden Charakter kindliche Gefühle zugetraut hätten. Viele, die ſich durch ſein hochmüthiges, anmaßendes Benehmen beleidigt fühl⸗ ten, jubelten jetzt über dieſe ſcheinbare Niederlage ſeines Stolzes; Norvins verfiel unglücklicher Weiſe auf dieſelbe Bahn, und gab durch manchen ſchlauen Wink und zwei⸗ deutige Anſpielung auf ſeine Abweſenheit dem Gerücht, daß dieſelbe durch andere, als kindliche Rückſichten dik⸗ tirt worden ſey, größere Nahrung.

Mitten in dem damaligen Geklatſche zeigte ſich Margaretha äußerſt aufgebracht, über van Halsdt's Be⸗ nehmen. Das ſanfte, ſchüchterne Mädchen, welches jede Gewaltthat verabſcheute und Verbrechen in jeder Geſtalt haßte, war empört über ſeine Feigheit und konnte ſei⸗ nen Namen nie ohne einen Ausdruck von Verachtung nennen hören. Dieß alles entzückte Eduard. Es ſchien eine gerechte Vergeltung für die frühere Unverſchämtheit ſeines Feindes und er freute ſich auf deſſen Rückkehr nach Frankfurt, um die tauſend Beweiſe von Gering⸗ ſchätzung zu ſehen, die ihn hier erwarteten. Eine ſo

*