Teil eines Werkes 
1 bis 5. Bändchen (1846)
Entstehung
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Norvins hätte gewünſcht, einen kurzen, übel ausſehen⸗ den Menſchen, roh in Sprache und Geberde— mit einem Worte, ſo abſchreckend als möglich zu ſehen. Es iſt in der That eine ſeltſame Sache— Sie müſſen es gewiß auch ſchon bemerkt haben: die Verlegenheit, in die wir verſetzt werden, wenn wir finden, daß Leute, von denen wir wünſchen, daß ſie uns gefallen möchten, hinter unſern Vorſtellungen zurückbleiben, dieſe Ver⸗ legenheit iſt nicht halb ſo groß, als unſer Aerger wenn wir entdecken, daß Diejenigen, die wir entſchloſſen ſind zu haſſen, ganz verſchieden von unſern vorgefaßten Ein⸗ bildungen ſind, nur wenige oder keinen von jenen Feh⸗ lern haben, die wir erwartet, und gerade das Gegen⸗ theil von jenem Popanz, den wir uns ſelbſt geſchaffen. Man ſollte meinen, eine ſolche Enttäuſchung ſollte eher angenehm, als unangenehm ſeyn. Dieß iſt jedoch nicht der Fall; das Bewußtſein unſerer eigenen Ungerechtig⸗ keit erhöht die Gehäſſigkeit unſerer vorgefaßten Meinung, und wir haſſen den Gegenſtand nur um ſo mehr, weil er uns in unſerer eigenen Achtung erniedrigt.

„Van Halsdt war ein treffliches Beiſpiel, um meine Theorie zu erläutern. Er war ſchlank und wohlgebaut; ſein Geſicht dunkel wie das eines Spaniers— ſeine Mutter ſtammte aus einer kataloniſchen Familie— war männlich und unbefangen, verrieth auf den erſten Blick ein offenes Gemüth und einen Anflug heroiſcher Kühn⸗ heit, die ſich nach Gefahr ſehnt blos um ihrer ſelbſt willen; ſeine Haltung hatte die Leichtigkeit und Unge⸗ zwungenheit eines Soldaten, ohne irgendwie an Roh⸗ heit oder Frechheit zu ſtreifen. Mit ruhiger Verbeugung vortretend bat er um Verzeihung wegen ſeines ſpäͤten Kommens, und zwar mehr auf eine Art als ſey er es ſich ſelbſt ſchuldig, ſeinen Mangel an Pünktlichkeit zu rechtfertigen, als aus irgend einem Gefühle der Un⸗ ziemlichkeit gegen andere; er ſchob die Schuld auf die Schwierigkeit, Poſtpferde zu ſinden—„Da ich alſo war⸗ ten mußte,“ ſprach er,„ſo beſchloß ich, wirthſchaftlich