rechts und der nationalen Gewohnheiten, als ein jun⸗ ger Mann von mäßigem Talent und Fleiß in drei bis vier Jahren gewinnen fann, das Haupterforderniß ſind. „Der Chef der holländiſchen Geſandtſchaft in Frank⸗ furt war ein alter Diplomat von einiger Auszeichnung, der aber, hätte er es nicht aus rein perſönlicher An⸗ hängigkeit für den König gethan, ſich nie dazu verſtan⸗ den haͤtte, den Haag zu verlaſſen und eine Geſandten⸗ ſtelle zu bekleiden. Er war ein Wittwer und beſaß eine einzige Tochter, eines von jenen ächten Muſtern holläͤn⸗ diſcher Schönheit, die Terburg ſo gerne malte. Es giebt Leute, die in der Klaſſe von Zügen, von der ich ſpreche, nichts als Gemeinheit ſehen können, und doch iſt in der Wirklichkeit nichts weiter davon entfernt. Sie hatte ein mildes, liebliches Geſicht, eine weite offene Stirne, an deren beiden Seiten zwei Flechten lichtbraunen Haares herabſielen; ihre Haut, ſchön wie Alabaſter, war auf's zarteſte gefärbt, aber ihre Lippen waren voll und von einem roſenfarbigen Anſtrich, der dem ganzen Geſicht etwas ſtrahlendes verlieh; ihre Geſtalt zum embonpoint geneigt war ausgezeichnet ſchön geformt, und in ihrem Gange zeigte ſich die geſetzte und ent⸗ ſchloſſene Haltung eines Mädchens, deſſen Temperament bei aller Milde und Sanftheit auf Grundſätzen ruhte, die zu ſtark waren, um erſchüttert werden zu können. Sie war in der That ein vollkommenes Muſter ihrer Nation, da ſie in ihrem Charakter die Sparſamkeit, den Verſtand, das hohe Ehrgefühl, den ſtrengen Ord⸗ nungsſinn, lauter hervorſtechende Eigenſchaften der Holländer, verkörperte; aber bei alle dem zog ſich durch ihre Natur der goldene Faden der Romantik, und unter dieſer milden Augenbraune lagen die Gedanken und Hoffnungen einer hochfliegenden Seele. Die Geſandtſchaft beſtand aus einem alten Sekre⸗
tär, Van Dohein, einem ergrauten Diplomaten vont
etwa ſechzig Jahren, und aus Eduard Norvins, dem Jungling, von dem ich ſpreche. Dieß war die Fami⸗


