Fenſtervorhänge bei Seite, und nun löste ſich das Räth⸗ ſel: ſolch' einen Regen hatte ich noch nie geſehen; die Wolken berührten recht eigentlich die Gipfel der Buchen und ſchienen zu fließen und zu rinnen wie gedrückte Schwämme. Das Waſſer goß ſo heftig herab, als wenn es von irgend einer Kraft mit Gewalt herunter getrieben würde, und der ſeit Langem ausgedörrte Boden kochte und rauchte wie eine heiße Pfanne. Das iſt luſtig, war mein Gedanke Nr. 1, als ich mit den Augen durch den Nebel zu dringen ſuchte und das tropfende Laubwerk in Wolken gehüllt ſah. Necht luſtig, hier eingemauert zu ſeyn, der Himmel weiß, auf wie lange, ohne entweichen zu konnen. Du biſt doch ein glüͤcklicher Kerl, Arthur, war mein zweiter Gedanke, daß Du in ein ſo treffliches OQuartier gerathen biſt, weit beſſer die behagliche Ein⸗ richtung eines flämiſchen Schloſſes, als das Ungeſähr einer Herberge an der Landſtraße; außerdem iſt hier eine treffliche Geſellſchaft beiſammen, es müſſen nothwendig angenehme Leute darunter ſeyn. Ich wollte, es regnete drei ganze Wochen lang, gerade das Schloßleben moͤchte ich gerne näher kennen lernen— wie bringen ſie ihren Tag zu? in Flandern gibt es keine Times— da küm⸗ mert ſich niemand im geringſten darum, wer in oder aus dem Miniſterium iſt; da gibt es kein Derby, keine Verhöre wegen Mord: was köͤnnen ſie anſangen? war die Frage, die ich mir ſelbſt ein Duzendmal ſtellte. Thut
nichts, ich habe Beſchäftigung im Ueberfluß— in mein
Tagebuch iſt ſchon lange nichts mehr eingetragen worden, ſeit— ſeit— ach, ich kann es kaum ſagen,
Ich weiß nicht, kam es von ſolchen Betrachtungen, oder vielleicht, weil ich kein ſo großer Jagdliebhaber war, als meine Gefährten, kurz, was auch die Urſache ſeyn mochte, ich ertrug die Ungunſt des Wetters mit weit mehr Philoſophie und ſtreute einen Sack voll Sprichwörter über Geduld, Hoffnung, Gleichmuth und Zufriedenheit aus, um die mich Sancho Panſa ſelbſt hatte beneiden können, bis endlich Niemand mehr in


