298 mit einem ſonderbaren Ausdruck, während ihr geſenktes Auge einen Blick, einen einzigen Blick auf mich ſchoß.
„Doch ich habe,“ verſetzte ich, indem ich eine Karte entdeckte, die hinter einer andern verſteckt war—„man muß nur ein Bischen beſſer nachſehen.“
„s iſt vielleicht nicht der Mühe wertb,“ ſprach ſie, mit einer kurzen Bewegung ihres Kopfes, als ich die Karte auf den Tiſch warf, und bevor ich antworten konnte, war ſie fort.
„Ich halte ſie für viel ſchöner, wenn ſie trotzig ausſieht,“ ſagte die Baronne, gleich als wollte ſie zu verſtehen geben, daß der von dem Fräulein angenommene Ton der Empfindlichkeit nichts als ein auf Effeckt be⸗ rechneter Kanſtgriff ſei.“
Ich durchſchaue Alles, ſagte ich zu mir ſelbſt. Fremde Damen können den Engländerinnen nie verzei⸗ hen, daß dieſe ihnen an Schönheit und Liebenswürdigkeit ſo weit überlegen find. Inzwiſchen nahm unſer Spiel ein Ende und wir verſammelten uns um das Buffet.
„Dort fanden wir den alten Oberſt mit einer gro⸗ ßen Silberkanne voll gewürzten Weins; er erzählte von Heldenthaten in dieſem oder jenem Feldzug, aber es horchte ihm niemand länger als ein Paar Sekunden zu, und ſo wurde das ganze Zimmer eine Actiengeſellſchaft von Zuhörern ſeiner Geſchichte. Laura ſtand ebenfalls dort, und aß ihr Eis, an ihrer Seite der Graf D'Espagne, der bereits er⸗ wähnte Kavalier mit dem ſchwarzen Backenbart. Die Amerikaner politiſirten über Jefferſon und Adams. Die Belgier ſprachen üͤber Landban und Genealogie; die Fran⸗ zoſen bildeten eine Gruppe für ſich ſelbſt, der ſich faſt alle hübſchen Damen zugeſellten, und ſchwatzten über das Ballet, über die Kammer, den Hof, die Couliſſen, die neueſte Mode und die letzte Mordtbat, über alles in dem gleichen, luſtigen und lebhaften Tone. Und wahrlich, man mag ihn verdammen wie man will, ſo geht doch nichts über dieſen oberflächlichen Unterhaltungs⸗Stil. Er leidet nicht an der proſaiſchen Flachheit der Deutſchen,


