Teil eines Werkes 
1 bis 5. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

288

verräth der Mangel an allem Schmuckwerk, der einfache Puritanismus des Geräthes das Leben ruhiger Seelen, deren Tage eben ſo wenig Lurus zeigen, als ihre Woh⸗ nungen. In dem kalten grauen Anſtrich, in der ſteifen Förmlichkeit, in der eintönigen Regelmäßigkeit liest man die quatermäßige Flachheit ihres Daſeyns. In andern findet man eine geſchmackloſe Schauſtellung, ein Haſchen nach Effekt, das ſich in koſtbaren, aber übel angebrach⸗ ten Gegenſtänden zeigt— ein Gemiſch aus allen Sti⸗ len und Zeitaltern, ohne Erholung und Haltung. Die ſchlechten prunkenden Gemälde, die fehlerhaften Bronze⸗ Arbeiten, dürftige Nachbildungen armſeliger Originale, das grellfarbige Porzellan ſind eine ſichere Gewähr für den gemeinen Geſchmack der Eigenthümer; während das beſcheidene Zimmer einer Dorfherberge, wie ich geſehen habe, ſo hergerichtet werden kann, daß es für den kul⸗ tivirten Geſchmack und die feinen Sitten derjenigen zeugt, die es zum Aufenthalt eines Tages gemacht haben. Wir möchten zurückgehen und unterſuchen, wie viel von unſerer Kenntniß der früheſten Jahrhunderte vom Stu⸗ d.um des Innern ihrer Wohnungen herrührt; welche reiche Quelle der Belehrung ein Moſaik⸗Werk darbietet; meich eine Abhandlung nicht in einer Freskowand iegt.— Das Zimmer, worin ich mich jetzt befand, war lang und für ſeine Länge etwas ſchmal; eine Reihe hoher Fenſter, die tief in die dicke Mauer zurücktraten, nahm die eine Seite ein, die entgegengeſetzte war eine ununter⸗ brochene Wand, vom Boden bis zur Decke mit Gemäl⸗ den bedeckt, außer wo in beträchtlicher Entfernung aus⸗ einander zwei reichgeſchnitzte Kaminſtücke von ſchwarzem Eichenholz ſtanden; das eine ſtellte die„Anbetung der Hirten“, das andere den„wunderbaren Fiſchzug“ vor,— im letztern lag ein Schwung, eine Kraft und eine Le⸗ bendigkeit, dergleichen ich nie geſehen habe. Ueber die⸗ ſem waren einige Waffen⸗Trophäen aus alten Zeiten, an denen ich unter den Keulen und Streitäxten einige