„Ich dachte mir ſo was,“ verſetzte er.„Ich ſagte es gleich, ſobald ich Sie an der Fähre ſah.“
Der Pater iſt kein ſchlechter Kenner von Pferde⸗ fleiſch, dachte ich, daß er den Zuſtand unſerer Thiere in ſolcher Entfernung entdeckte.
„Da kommt etwas für mich,“ ſagte ich zu Madam Guyon.„Sehen Sie dort! ſchauen Sie, wie ihre Thiere ſchnaufen! ſie haben keine Zeit verloren und werden auch keine verlieren wollen;“ damit zog ich meinen Chorrock an und kam hieher.
„Wie klug von Ihnen, Vater, Sie ſahen, daß wir Hülfe brauchten.“
Natürlich ſah ich's,“ ſprach er, aus vollem Halſe lachend.„Natürlich ſah ich's. Der alte Gregoire hier iſt ſo dumm und träge, daß ich ſelbſt ein ſcharfes Auge haben muß. Aber er iſt der Maire und man kann keinen Streit mit ihm anfangen.“
„Ganz wahr,“ ſagte ich.„Ein Beamter hat hun⸗ dert Gelegenheiten, Gefälligkeiten zu erzeigen, oder das Gegentheil zu thun.“
„So iſt es allerdings,“ verſetzte der Pére.„Ohne ihn hätten wir kein Geſetz auf unſerer Seite. Es ginge ſonſt alles sous la cheminée, wie man ſagt.“
Der Ausdruck war mir neu und ich dachte, der gute Prieſter meine, daß ohne die Obrigkeit die Achtung für die Geſetze„im Kamin läge.“
„Und nun, wenn Sie mir erlauben, wollen wir der Dame unſere Aufwartung machen,“ ſagte der Père Joſé, als er endlich mit ſeiner Toilette zufrieden war.
Nachdem die Zeremonie der Vorſtellung des Pere vorüber war, unterrichtete ich Laura von ſeiner großen Gefälligfeit gegen uns und von der Mühe, die er ſich gegeben habe, eine Equipage für uns zu beſorgen.
„Ich fürchte aber, eine traurige Mademoiſelle,“ verſetzte er mit einer Verbeugung.„Indeſſen glaube ich, es gibt wenig Umſtände im Leben, wy man bereit⸗ williger iſt, etwas zu ertragen.“


