30
es glauben, aber wir möchten heute noch fortkommen; alſo ſorgen Sie dafür, wie ein Ehrenmann.“
„Gut,“ erwiederte er,„wir wollen ſehen, was zu machen iſt: vielleicht finde ich noch vor dem Diner Mit⸗ tel, Sie weiter zu befördern.“⸗
Damit verließ er das Zimmer, wo nun das Fräu⸗ lein und ich allein einander gegenüber ſaßen. Und hier erlaube man mir das Geſtändniß, nie war ein Mann in größerer Verlegenheit, als ich in dieſem Augenblicke, und ehe einer meiner jüngern und feurigern Brüder mich tadelt, ſo laſſe er mich wenigſtens meine Gründe zu meiner Vertheidigung vorbringen. Erſtens war ich es, der, wenn auch unabſichtlich, Fräulein Laura in ihre gegenwärtige Lage gebracht hatte; ohne mich und den verwünſchten Grauſchimmel wäre ſie in dieſem Augen⸗ blick vergnügt an der Seite des Grafen D'Espagne da⸗ hingaloppirt, ſeinen galanten Redensarten lauſchend und ſeine Huldigungen empfangend. Zweitens war ich theils aus Scham, theils aus Furcht, wenig geeignet, die Rolle zu ſpielen, die meine gegenwärtige Lage erfor⸗ derte: entweder mußte ich vollkommene Gleichgültigkeit und Ruhe zeigen, oder aber Gefühle von zarterer Na⸗ tur, die in der That meine hübſche Reiſegefährtin voll⸗ kommen gerechtfertigt hätte.
„Nun,“ ſagte ſie nach einer bedeutenden Pauſe; „das iſt doch die lächerlichſte Klemme, in die ich je ge⸗ rathen bin. Was werden ſie im Schloſſe denken?“
„Wenn ſie ſahen, wie Ihr Pferd fortſchoß—— ⸗
„Natürlich ſahen ſie's,“ erwiederte ſie;„aber was konnten ſie thun? Der Graf D'Espagne reitet ſtets ein langſames Pferd, er konnte mich nicht einholen— ſo⸗ dann konnten die Maitres dem Grande Maitre nicht voraus reiten.“
9„Was?“ rief ich erſtaunt;„ich verſtehe Sie nicht recht.“
„Und iſt doch ſo klar,“ verſetzte ſte;„aber ich ſehe, Sie kennen die in Flandern üblichen Jagdregeln nicht.“


