zuzubringen, ohne Geſellſchaft, ohne einen einzigen Freund. Anfangs wollte ſie allerdings nichts davon hören; erſt nachdem Heinrich v. Bethune, der einige Tage im Schloſſe blieb, um ſeinen Freund in dieſem Falle zu unterſtützen, das Wort fur ihn ergriffen hatte, gab ſie nach und willigte ein. Indeſſen wurde ihr dieſe Einwilligung gegen ihre Ueberzeugung entriſſen, und ſie war keineswegs damit einverſtandrn, daß an den Gründen, denen ſie nachgegeben hatte, durchaus nichts auszuſetzen ſey, und dieß iſt, laſſen Sie mich's im Vor⸗ übergehen bemerken, eine höchſt gefährliche Art von Zu⸗ ſtimmung, wenn ſie von einer Dame gegeben wird— denn ſie ſieht immer darin etwas ahnliches, wie in ge⸗ wiſſen katholiſchen Gelübden, die nur ſo lange bindend ſind, als man ſie für vernünftig und gerecht hält.“
„Iſt dieß wirklich ſo?“ unterbrach ich.„Geben Sie mir in der That ein ſo niedriges Muſter von weib⸗ licher Treue?“—
„Wenn die Weiber zuweilen falſch ſind,“ verſetzte ſte,„ſo geſchieht es, weil die Maͤnner niemals treu ſind; aber ich muß in meiner Erzählung fortfahren. Graf Philipp zog mit ſeinem Freunde De Bethune wirklich von dannen; erſterer war, wenn die Geſchichte davon erzählen würde, im Augenblicke der Trennung gewiß ebenſo niedergeſchlagen, als die Gräfin ſelbſt. Aber doch hatte er den doppelten Vortheil, daß er einen Freund hatte, mit dem er ſprechen und dem er ſeinen Kummer mittheilen konnte; ſodann war er der verlaſſende, nicht der verlaſſene Theil.“.
„Ich weiß nicht,“ unterbrach ich ſie in dieſem Au⸗ genblicke,„ob Sie darin Recht haben; ich meine, die Erinnerungen, die an den Stellen haften, wo wir glück⸗ lich geweſen ſind, können als eine gute Entſchädigung für die Schmerzen gelten, die durch jene Stellen vielleicht hervorgerufen werden. Ich würde lieber an dem durch das Andenken an vergangene Freuden geweihten Orte weilen, und Stunde um Stunde, Tag um Tag die


