Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
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waren die Nachrichten, die ſie von Kate und Frank er⸗ hielt, doch noch betrübender.

Die Nachrichten, die ſie von ihrer Schweſter bekam, waren nie direkte. Ein Paar Zeilen von Madame de Hei⸗ dendorf, von einem Landſitze bei Sct. Petersburg datirt, ſagten ihr, daß es dem Fürſten nicht gelungen, die kaiſer⸗ liche Erlaubniß zu erhalten, und daß daher die Heirath auf unbeſtimmte Zeit verſchoben worden; unterdeſſen hieß es weiter lebe die verlobte Fürſtin, wie es die Etikette erheiſche, in ſtrenger Abgeſchloſſenheit, und ſehe nur ſolche Glieder der kaiſerlichen Familie, die ſie zu be⸗ ſuchen geruheten! 2

Das Herz der armen Nelly wollte faſt zerſpringen, als ſie an die liebe Kate dachte, als ſie ſich vorſtellte, wie das froͤhliche herrliche Kind, wie das glückliche, muntere Mädchen jetzt mit trauriger Gefangenſchaft ſich abhärmte. Dieß Bild kam ihr nie aus dem Sinn, und ſtundenlang pflegte ſie dazuſitzen, und um ihre arme Schwe⸗ ſter zu weinen. Welches künftige Glück, ſo groß es immer ſein mochte, konnte einen Erſatz bieten für eine ſo elend verlebte Jugend? Welcher Glanz konnte den Eindruck dieſer trübſeligen Einſamkeit verwiſchen, während ſie fern von Allen ſein mußte, die ſie liebten und ſich für ſie in⸗ tereſſirten?

Ueber Frank liefen noch ſchlimmere Nachrichten ein. Ein kurzer und faſt unverſtändlicher Brief von Graf Stephan benachrichtigte ſte, daß,obgleich das Kriegsgericht das Todesurtheil über ihn ausgeſprochen, der Kaiſer dennoch die Strafe in lebenslängliche Haft zu Moncacs verwan⸗ delt, da er einen Namen nicht habe beflecken wollen, der ſich durch ſo viele Züge der Hingebung an das Kaiſerhaus ausgezeichnet. Es ſei, ſetzte er hinzu,einige, wenn auch nur ſchwache Hoffnung vorhanden, daß ſelbſt dieſe Strafe nach Verfluß von einigen Jahren werde erlaſſen, und daß dafür gegen ihn die Verbannung aus dem gan⸗ zen kaiſerlichen Reiche werde ausgeſprochen werden. In⸗