Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
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es erfahren koͤnnte, hatte ſie immer einen halben Tag krank gemacht.

Es war daher für Nelly ein furchtbarer Schlag, als ihr Vater den Entſchluß faßte, das Haus zu verlaſſen. Denn nicht allein war es ihr durch ſo viele Erinnerungen theuer, ſondern es ſetzte ſie auch ſeine Abgeſchiedenheit in den Stand, ganz nach Belieben unter dem Schatten der Waldbäume umherzuſchreiten, und Stunden lang in den engen Wegen des tiefen Waldes herumzuſtreifen. Auch nahm ſie an Hans das lebhafteſte Intereſſe. Er war ihnen ein Freund geweſen zu einer Zeit, wo es ihnen am Schlimmſten ging; ſeine Freundlichkeit hatte ihnen manche ſchwere Laſt erleichtert, und ſeine weiſen Rathſchläge hat⸗ ten ihnen manche trübe Stunde verſüßt. Zwar hatte er ſich in der letzten Zeit gewaltig verändert. Seine Bücher, ſeine Lieblingsdichter, Uhland und Tieck, wurden nie mehr zur Hand genommen. Er ſetzte ſich nicht mehr, wie einſt, in den Garten, um ſeine wunderlichen alten Fragmente von Rüſtungen blank zu machen, oder ſeine ſeltſamen Amu⸗ lette mit Entzücken anzublicken. Selbſt die kleinen Balla⸗ den, die ſie ſang, ſchien er nicht mehr zu beachten; er blieb nicht mehr, wie früher, unter dem Fenſter ſtehen, um zu horchen, wie ſie ſang.

Auch ſeine sðconomiſchen Verhältniſſe geſtalteten ſich ungünſtiger. Er vernachläßigte ſeinen Laden ganz und gar, und ging nicht mehr, wie früher, nach Worms oder nach Nürnberg, um neue Spielwaaren zu kaufen. 4

Die junge Generation von Käufern fand in ſeinem Laden nur noch Wenig, was nach ihrem Geſchmack war; gewöhnlich gingen die Leute wieder fort, nachdem ſie über die wunderlichen alten Dinge gelacht, woran ſich ein ver⸗ gangenes Zeitalter ergötzt hatte. Vergebens ſuchte ihm Nelly einiges Intereſſe für den Beruf einzufloͤßen, der einſt ſeine Leidenſchaft geweſen war. All die kleinen Ge⸗ ſchichten, womit er ſeine Spielwaaren zu umſpinnen pflegte, all die Täuſchungen der Phantaſie, in denen er ſchwelgte,