Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

215

gen herab, während ſeine mit Blut unterlaufenen Augen auf ſeinen Kameraden geheftet waren.

Es war das erſte Blut, das in der Sache der ita⸗ lieniſchen Unabhängigkeit vergoſſen worden war, und Nor⸗ wood ſchaute das Opfer nachdenkend an.

„Der arme Burſche!“ ſagte er;„die, welche ihn tödtlich verwundeten, bedachten nicht, welche Sympathie für Freiheit dieſe Jacke bedeckte, und wie wahrhaft der Hunne des Italieners Bruder iſt.“

„Sie waren Mörder,— Meuchelmoͤrder,“ rief Frank leidenſchaftlich;„Kerls, die uns hinter Wällen und Bar⸗ ricaden hervor angegriffen.“

„Ihr Vorwurf bedeutet nur ſo viel, daß die Leute keine Soldaten waren.“ 1

„Nein, daß ſie Feiglinge waren,— daß ſie Memmen, niederträchtige Memmen waren. Die Freiheit, nach der ſolche Kerls ſtreben, wird ihrer wohl würdig ſein! Aber keine Sylbe mehr davon!“ rief er ungeduldig.„Iſt nicht eine Kirche in der Nähe, wohin ich dieſen Leichnam brin⸗ gen kann?— Er war ein Katholik.“

„Es iſt eine Kapelle bei der Villa; ich will für Sie um die nothige Erlaubniß bitten.“

„Sie werden mir einen Gefallen erweiſen,“ ſagte Frank,„denn ich muß alsbald nach Mailand.“

„Sie werden Ihre Kameraden ſchwerlich mehr dort finden,“ ſagte Norwood.

Frank fuhr vor Ueberraſchung zuſammen, und der Andere fuhr alſo fort:

„Es gehen Gerüchte um über einen ernſten Aufſtand, der in der Stadt ausgebrochen, und Einige ſagen, die kaiſerlichen Truppen hätten ſich bereits nach Mantua hin zurückgezogen.“

„Die, welche Solches ſagen, kennen die oͤſterreichiſchen Soldaten nicht,“ ſagte Frank hochmüthig;„aber eben dieß iſt ein weiterer Grund für mich, keine Zeit hier zu verlieren.“