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tiefer, als ſie all' die Opfer betrachtete, die ihre Erhe⸗ bung ihr gekoſtet hatte. Und wie eitel war am Ende Alles, was ſie gewonnen? Zwar reiste ſie in einem Wagen, der mit königlichen Wappen geziert war; zwar wartete eine Gruppe baarhäuptiger Lakaien auf, wenn ſie ausſtieg; zwar wurde ihr immer ein ſtolzer Titel gege⸗ ben; zwar umgab ſie jeden Augenblick eine ehrerbietige Unterwürfigkeit. Aber bei All' dieſem fand ſie auch nicht einen freundlichen Blick,— fand ſie auch nicht ein freund⸗ liches Wort; keine Seele ſympathiſirte mit ihrer einſamen Größe. Was machte es auch, daß die Gitter ihres Ker⸗ kers von Gold waren? Immerhin war es ja ein Kerker!
Wie gerne wandte ſie ſich jetzt von der Gegenwart und all' deren Glanz ab, um an ihr früheres Leben zu denken, wo ſie, zwiſchen den Hügeln von Baden umher⸗ wandernd, dem kleinen Hans zugehört, oder der theuren Nelly zugeſehen hatte, wenn der erſte Schimmer ihrer
Gedanken, an einer geſchnitzten Gruppe ſich kund zu ge⸗
ben anfing. Mit welcher Wonne hatte ſie Stellen aus Dichtern gehört, die mit Etwas, das ſie gefühlt hatte, aber nicht auszudrücken vermochte, verwandt zu ſein ſchie⸗ nen! Wie ſehr hatte ſie die an Veränderungen ſo reichen Wirkungen des Lichtes und des Schattens an einer Land⸗
ſchaft geliebt, wo ihr jeder Baum, jeder Felſen, jeder Hügel
bekannt waren. Ohl wie ſehr ſehnte ſie ſich jetzt wieder zurück! Wie verlangte es fie, wieder ſo hoffnungsvoll, ſo feurig, ſo zutrauensvoll zu ſein, wie früher! Oh!“ dachte ſie,„köͤnnte doch die jüngſte kurze Vergangenheit nur ein Traum ſein,— und wäaͤre ich doch wieder bei meinem Vater und bei meiner Nelly, und wüßte ich doch Nichts von der Welt, von der ich in ſo kurzer Zeit ſo viel geſehen habe 1“ Selbſt Diejenigen, die ihr jüngſt noch ihre Familie erſetzt hatten, waren nun fort, und ſie war nun allein— ganz allein.
Sie wagte es nicht, an George Onslow zu denken.
Es erſchlen ihr wie ein Verrath, ſich an ſeine Perſon auch


