Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
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Es iſt etwas Bezauberndes um die Offenheit und Aufrichtigkeit: es ſind dieſelben die Seele jeder wahren Freundſchaft, und der Geiſt jedes liebevollen Intereſſes; allein es koͤnnen dieſelben auch zu überaus unangenehmen Elementen bloßer Bekanntſchaft gemacht werden.

Dieß traf bei Madame de Heidendorf zu. Sie ſagte Kate unumwunden, daß unter allen unerklärlichen Launen des großen Midchikoff ſeine beabſichtigte Heirath die ſelt⸗ ſamſte, und daß es etwas faſt Unglaubliches wäre, daß er ſein ungeheures Vermoͤgen und ſeine hohe Stellung mit bloßer Schönheit verbände. Da wäre eine Landgräfin von Hohenhöckingen,— eine Erzherzogin,— eine„main gauche? vom öͤſterreichiſchen Hauſe ſelbſt,— da wäre eine Enkelin der Kaiſerin Katharine,— mit deren jeder ſie für ihn leicht hätte Unterhandlungen eroͤffnen koͤnnen; — alle dieſe Verbindungen wären reich an politiſchem Einfluſſe. Ja, ſie hätte noch eine andere Partie,— die ſie aber nicht nennen dürfte,— und obgleich die fragliche Perſon„blind und faſt blödſinnig“ waͤre, ſo hätte ihn doch eine Verbindung mit ihr zu„einer durchlauchtigen Hoheit“ machen können.

„Sie ſehen alſo, meine Liebe,“ ſagte ſie am Schluſſe ihrer Rede,„was Sie ihm gekoſtet haben! Nicht,“ ſetzte ſte nach einem Schweigen von einigen Minuten hinzu,— „nicht als ob ich nicht Fälle wüßte, in denen ſolche Hei⸗ rathen recht gut ausſtelen. Da war der Prinz Albert von Boͤhmen, der die Sängerin,— wie hieß ſie doch gleich? — der die junge Creatur heirathete, die in der„„Scala““ ſo große Senſation machte:— ach, nun erinnere ich mich, man nannte ſie„la Biondina.“ Zwar lebte er mit ihr bloß ſo lange, als der Carneval dauerte; aber da iſt ſie nun mit ihrem hübſchen Hauſe auf der Baſtei, und der hübſcheſten Equipage im Prater. Es ſind mir mehrere ſolche Fälle bekannt. Der Erzherzog Max, und Fürſt Ravitzkay,— obgleich der es vielleicht nicht iſt, denn ich glaube, er ſchickte das arme Ding in die Bergwerke.“