44
Ihre Reiſegefährtin war kaum geeignet, die Schwie⸗ rigkeiten dieſes Kampfes, der in ihrem Geiſte vorging, zu mindern. Madame de Heidendorf war das gerade Gegen⸗ theil von Lady Heſter. Ohne ſelbſt den geringſten Anſpruch auf ein hübſches Aeußere machen zu können, gebarte ſte ſich, als verachtete ſte bei Andern Alles, was wie Schön⸗ heit ausſah, indem ſie deren Beſitz immer und ewig mit der Eitelkeit eines ſchwachen Verſtandes in Verbindung brachte; ſie machte die„armen, hübſchen Dinger,“ wie ſie ſte zu nennen pflegte, in einer Weiſe lächerlich, daß Schoͤnheit und Thorheit als gleichbedeutend erſchienen. Ihre große und einzige Leidenſchaft war die politiſche Intrigue, oder, um die Sache richtiger auszudrücken, das Stiften von Unheil in Staatsangelegenheiten. Es war ihr allmälig durch viele Geduld, große Liſt, und genaue Menſchenkenntniß gelungen, ſich mit vielen der erſten Staatsmänner Europas auf einen ganz vertrauten Fuß zu ſetzen. Viele hatten ſie mit der Leitung kleiner An⸗ gelegenheiten betraut, womit die Diplomatie, um ihrer Würde Nichts zu vergeben, ſich nicht befaſſen wollte. Sie hatte verſchiedene kleine Verträge zu Stande gebracht,— hatte den Weg zu gewiſſen Wiederausſöhnungen gebahnt — hatte den Weg zu Beſtechungen geebnet, und die klei⸗ nen Scrupel der ſich noch ſträubenden Sittlichkeit über⸗ wunden, wo jeder andere Einfluß, als ein weiblicher, roh und unzart geweſen wäre.
Als eine gute Monarchiſtin war ſie am öſterreicht⸗ ſchen Hofe ſtets gut aufgenommen; in Sct. Petersburg aber pflegte man ihr ganz beſondere Ehre zu erweiſen.
Durch welche Belohnungen Midchikoff ſich ihrer jetzi⸗ gen guten Dienſte verſichert hatte, vermag dieſe wahrheits⸗ getreue Geſchichte nicht zu berichten; daß aber Kate außer⸗ ordentlich glücklich war, indem ſie in der Lotterie des Lebens einen ſolchen Preis zog, daß fie unter ihren Au⸗ ſpicien in die Welt eintrat,— das war ein Factum, wobei ſie unaufhoͤrlich verweilte.


