und man befand ſich in Italien. Da waren alte Städte, deren bloße Namen zauberartig auf das Gedächtniß wirk⸗ ten. Da waren die Erdflecke, die das Genie der Un⸗ ſterblichkeit geweiht hat. Da waren die Scenen, wo die Poeſie ihre Inſpiration holte, und um die ſelbſt jetzt noch die Gebilde der Phantaſie zu ſchweben ſcheinen: Alles das mußte ſie intereſſiren, bezaubern, und amüſiren, und doch ging ſie daran ohne Vergnügen, ja faſt ohne davon Notiz zu nehmen, vorüber.
Die prächtige Equipage, in der ſie reiste,— die hun⸗ dert Bequemlichkeiten und Lurusgegenſtände, welche ſie umgaben,— die höfliche, faſt ſervile Aufmerkſamkeit ihrer Dienerſchaft,— Alles das rief ihr nur eine ernſte That⸗ ſache in's Gedächtniß zurück,— die Thatſache nämlich, daß ſie ſich um alle dieſe Dinge verkauft;— daß ſie dafür ihre warmen Gefühle,— daß ſie dafür ihre Liebe zu Vater, Schweſter und Bruder,— daß ſte dafür die Bande der Heimath und der Verwandtſchaft,— daß fie dafür ſogar den Glauben hingegeben, an deſſen Altar ſie in der Kindheit die Knie gebeugt. Sie hatte Alles hin⸗ gegeben, um eine große Dame zu werden!
Sie hatte eine Menge von Luftſchlöſſern gebaut, und immer hatte ihre Familie in dem Gemälde figuriren müſſen. Ihren armen Vater glücklich zu machen,— ſein hohes Alter mit den Bequemlichkeiten zu umgeben, wor⸗ nach er ſich ſo ſehr ſehnte,— der lieben Nelly Quellen der Freude in dem Berufe zu eröffnen, den ſie liebte, — Frank die noͤthigen Mittel zu verſchaffen, damit er mit ſeinen vornehmen Kameraden leben konnte, damit ſich ihm die Geſellſchaft auſſchloß, nach der er ſich ſehnte,— das war ihr Wunſch, und um dieſe Zwecke zu erreichen, war ſie bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Aber jetzt ſollte ſie nicht Zeuge ſein von dem Glücke derer, die ſie liebte! Schon ſollten ſich die harten Bedingungen ihres Contractes geltend machen. Zuerſt Verbannung, und dann Vereinzelung; wer konnte ſagen, was darauf folgen ſollte!


