Teil eines Werkes 
Bändchen 12-15 (1852)
Entstehung
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Lieblingsſünde zu warnen pflegteſt! Ich dachte an unſere Heimath, ich dachte an unſer Haus, wo der arme Hanſerl von uns als Freund behandelt wurde! Ich dachte an unſern Abſchied, und an die Worte, die Du zu mir ſpracheſt, und womit Du mich vor dieſem unedeln und gemeinen Stolze warnteſt; und ohl was würde ich nun darum gegeben haben, wenn ich mich Adolph in die Arme geworfen, und ihm Alles geſagt hätte! . Ich habe ihn ſeitdem nicht mehr geſehen. Er hat mir bloß einige Zeilen geſchrieben, worin er mir ſagte, daß er auf dem Wege nach Frankfurt durch Baden kom⸗ men würde, und ſich erbot, einen Brief mitzunehmen; aber er ſpielte auch nicht mit einem Worte auf meine Schuld an, und, nach ſeinem Briefe zu ſchließen, koͤnnte man glauben, es erxiſtire dieſelbe gar nicht.

Hierauf ſchickte ich ihm einen Schuldſchein, und drückte ihm zugleich in meinem Briefe meinen ſehnlichſten MWunſch aus, daß er mich beſuchen möchte; aber er ſchützte dieſes und jenes vor, behauptete, er habe in den Stun⸗ den, in denen ich allein frei ſel, Geſchäfte, und ſchickte endlich Jemand zu mir, um den Brief abzuholen. Es war gerade in dem Augenblicke, wo ich daran ſchrieb.

Ich hätte Dir noch Viel von mir, vom Dienſte, und von meinem täglichen Leben zu ſagen, Nelly; aber meine Gedanken ſind jetzt verwirrt und zerſtreut; auch fühle ich, wie die Scham, die Dir mein Betragen einfloͤßen wird, das, was ich ſage, minder intereſſant machen muß. Du, Nelly, wirſt den Muth haben, gerecht zu ſein: ſag' ihm Alles, was ich ſo ſchwach geweſen bin, ihm zu verbergen; laß ihn wiſſen, wie Viel ich wegen meines unwürdigen Schamgetühls gelitten habe; und vor Allem ſag' ihm, daß ich nicht undankbar bin.

Alles, was Du mir von Kate ſagſt, kommt mir wie ein Traum vor. Iſt ſie immer noch in Italien, und wo? Wird ſie mir ſchreiben wollen? Ich ſchäme mich, dieſe Frage ſelbſt an ſie zu ſtellen. Es hat geheißen,