Teil eines Werkes 
Bändchen 8-11 (1851)
Entstehung
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kleine Vorſall; wie geringfügig war jede Einzelheit, wie unbedeutend, wie ärmlich die Beſchäftigungen, woran ſie ein Intereſſe nahmen!

Wie wunderte ſie ſich, daß ſie an ſolchen Kleinigkei⸗ ten Intereſſe nehmen konnten! Wie war ſie erſtaunt, daß ihre Hoffnungen und Befürchtungen, ihre Wünſche und ihre Angſt eine ſo gemeine Geſtalt annehmen konnten! Mit ganz eigenthümlicher Macht drängte ſich ihr dieſes Gefühl bei einem Paragraphen auf, der Nelly's letzten Brief ſchloß, und alſo lautete:

Denk' Dir einmal unſer Glück, theuerſte Kate! Wir haben ſo eben Jemand geſprochen, der Dich vor kurzer Zeit geſehen hat, einen Deiner Florentiner Bekannten, und ich glaube, ich könnte noch weiter gehen, und ſagen, einen Deiner Freunde, denn die Art und Weiſe, in der er von Dir ſprach, bewies eine aufrichtige und wahre Ach⸗ tung von ſeiner Seite. Es war ſo lieb von ihm, daß er uns aufſuchte, um uns von Dir zu erzählen; denn er blieb einen ganzen Tag hier, einzig und allein, um uns eine Freude zu machen, da ſeine diplomatiſchen Pflichten ihn in aller Eile nach England riefen.

Als Kate ſo weit geleſen hatte, hielt ſie inne; ihr Geſicht und ihr Hals waren purpurroth vor Scham, und ihr Herz ſchlug ſo ſtark, daß man es faſt hören konnte. Mit Blitzesſchnelle rief ſie ſich drei oder vier Namen von Geſandten und Geſchäftsträgern ins Gedächtniß zurück, die in der jüngſten Zeit Florenz verlaſſen hatten: ſie zitterte bei dem Gedanken, daß es der prachtliebende Ruſſe Na⸗ radskoi, oder der fürſtliche Neapolitaner Camporeſe, oder der hochmüthige Spanier Don Hernandez Orloes ſein könnte, der ihr beſcheivenes Haus beſucht. Wie demüthigend mußte es für ſie ſein, wenn ſie dieſe Perſonen je wieder ſah! Ihre Heimath ſtellte ſich ihr in dieſem Augenblicke nur als der Zeuge ihr Schande dar: wle gemein und elend erſchien ihr deren Armuth, und wie viel Vulgarität knüpfte ſich an dieſelbe! Mit wahrem Schrecken wich ſie