Teil eines Werkes 
Bändchen 8-11 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Gegenſtand der Bewunderung geweſen war, es ſei denn vielleicht für den armen Hanſerl! Und doch, wie ver⸗ ſchieden war jetzt ihre Lage, wenn ſie auch in Allem un⸗ verändert war, ausgenommen in dem, was das Gold ändern kann. Es wäre gut geweſen, wenn ihre Liebe zum Glanze hier ſtehen geblieben wäre. Aber es ging dieſelbe weiter, und es flößte dieſelbe eine vollkommene Furcht vor einem beſcheidenen Stande ein.

Gar oft mußte ſie hoͤhniſche Bemerkungen hoͤren, welche dem Aufſtreben derreſpektablen Armuth galten. Sie mußte hoͤren, wie deren Kunſtgriffe verlacht, wie deren Verlegenheiten verhöhnt wurden. Was immer die reſpektable Armuth in Beziehung auf Kleidung, Equi⸗ page und Haushaltung that, war gewiß immer abſurd; und doch waren alle dieſe ſo verachteten und verlachten Leute im Beſitze von Geldmitteln, welche denen ihres eigenen Vaters weit überlegen waren. 3

Welche falſche Stellung war dieß? Wie voller Be⸗ trug mußte ſie werden, um dieſe Stellung zu behaupten? Sie rief alle ihre Sophiſterei zu Hülfe, um ſich zu über⸗ reden, daß die Stellung ihrer Familie bloß ein vorüber⸗ gehender Zuſtand wäre, daß ſie ſpäter, ja vielleicht in einer nicht ſehr fernen Zukunft, wieder einHaus machen würden, und daß ſie, was Familie und Abkunft beträfe, einem Jeden ebenbürtig wären; daß ſie eben ſo gut Anſpruch auf Achtung machen könnten, wie nur irgend Jemand. Sie ſuchte ſich an den Gedanken zu gewoͤhnen, daß ihr Vater und Nelly ſich in den Kreiſen bewegten, in denen ſie jetzt ſelbſt lebte. Aber, wenn ſie allein war und wenn ſie ihren Gedanken fern von allen Menſchen nachhangen konnte, röthete ſich doch ihre Wange vor Scham: ſie ſchauderte wirklich bei dem bloßen Gedanken 3 an den berührten Umſtand. Und wie würde ſelbſt Frank, der einſt ihr Ideal von Allem geweſen, was graziös war und edel ausſah, wie würde nun ſelbſt Frank ſich neben den von wohlriechenden Salben und Oelen duftenden,