Teil eines Werkes 
Bändchen 8-11 (1851)
Entstehung
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war bei allen ihren Plänen die Hauptrathgeberin; Kate war, ſo zu ſagen, die Figur, an der ſie hundert Coſtüm⸗ und Toilettenkünſte probirte, und endlich war Kate eine abhängige Perſon, ein Umſtand, der für ſie den groͤßten Zauber hatte. Nicht als ob Kate ihre Lage ſo verſtanden hätte: der Familienſtolz, das Erbtheil der Dalton'ſchen, war bei ihr zu ſtark, als daß ſie Solches zugegeben hätte. Sie war zwar innig, aufrichtig dank⸗ bar für alle Güte der Lady Heſter; ſie gab ihr Liebe zehnfach zurück, aber es vermiſchte ſich damit kein Gefühl der Inferiorität, wenn man allenfalls dasjenige abrech⸗ net, das aus der innigen Bewunderung hervorging, wel⸗ ches ſie ihrer Freundin zollte.

Die Huldigungen, unter denen ſie ihr Leben zubrachte, die Schmeicheleien, die ſie unabläſſig umgaben, konn⸗ ten ſie in dieſem Stücke nicht leicht enttäuſchen. Eine Prinzeſſin von königlichem Geblüte hätte keine ehrerbie⸗ tigeren Huldigungen erwarten koͤnnen. Der große Mid⸗ chikoff gab ihr zu Ehren Bälle. Die arabiſchen Pferde von Treviliani waren ihr zur Verfügung geſtellt. Die verſchiedenen Beſuche bei Gegenſtänden der Curioſität oder des Geſchmacks wurden zu ihrem Vergnügen unter⸗ nommen und es wurde Nichts unterlaſſen, was ihre Eitel⸗ keit ſtimuliren und ihre Selbſtachtung erhöhen konnte.

Alles, was wir während dieſer Zeit zu ihren Gun⸗ ſten ſagen koͤnnen, iſt, daß ſie, wenn ſie auch durch die Aufregung dieſer Schmeicheleien ſich ſelbſt entrückt wurde, im Herzen dennoch ſo wenig als moͤglich verderbt war. Sie konnte ein Leben nur lieben, das des Glücks ſo viel brachte; auch konnte ſie die Freuden und Genüſſe, welche ſie umgaben, nicht von dem Beſitze großen Reich⸗ thums trennen. Sie dachte an das, was ſie noch vor einigen Monaten geweſen: ſie dachte an die Kate Dalton, die dem Schnee eines düſtern deutſchen Winters in einem fadenſcheinigen Mantel und in bäuriſchen Holzſchuhen trotzte; ſie dachte an Kate Dalton, die für Niemand ein

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