eines kühnen und ehrgeizigen Charakters verfolgen zu können meinten. Die Eitelkeit war die Schwäche ihrer Kindheit geweſen; dieſelbe war nun auch der Fehler des erwachſenen Mädchens. Lady Heſter leiſtete dieſer Schwäche in hundertfacher Weiſe Vorſchub; da ſie Kate ſo viel liebte, als ſie irgend Etwas lieben konnte, ſo hattte ſie ein inniges Vergnügen an all der Bewunderung, die dem Mädchen zu Theil wurde.
Gleichwie man von einem Schauſpieler ſagt,„er creire die Rolle,“ die für ihn geſchrieben iſt, wenn er dieſelbe mit Zügen ausſtattet, die ihm eigenthümlich an⸗ gehören, ſo bildete ſie ſich ein, daß Kate blos ein reflec⸗ tirtes Bild all' der Grazie und all' der Reize ſei, die ſie ſelbſt beſitze, und wahrſcheinlich bereiteten ihr die ſtolzeſten Tage ihrer eigenen Triumphe nie größere Genüſſe, als jetzt das ſchmeichelhafte Lob, das Kate Dalton geſpendet wurde.
Es gab gutmüthige Leute, die meinten und ſagten, Lady Heſter's Bewunderung habe eine andere Urſache, und es kenne dieſelbe, als eine ſchon etwas verwelkte Schoͤn⸗ heit, den vollen Werth eines jüngeren und ſchöneren Frauen⸗ zimmers, indem daſſelbe ihrem Zirkel und ihrer Geſell⸗ ſchaft alle Perſonen zuführe, die durch Rang und Stand ausgezeichnet ſeien.
Wir wollen nun zwar nicht behaupten, daß ein ſol⸗ cher gar nicht obgewaltet habe; gewiß aber waren noch andere, gewichtigere vorhanden. Zudem waren Lady Heſter's eigene Anſprüche viel höher, als dieſe Läſterer zugaben. Obgleich ſie nicht mehr ſehr jung war, ſo war ſie doch noch ſehr hübſch. Was ihren Rang und ihren Reichthum betrifft, ſo waren beide bedeutend; ihre Manieren aber waren die Vollkommenheit ſelbſt, wenn man von der Schule ausging, zu der ſie gehoͤrte. War auch ihre Liebe zu Kate nur eine andere Form der Selbſt⸗ ſucht, ſo war dieſelbe darum nicht weniger ſtark. Kate war die Vertraute ihrer Schmerzen und ihres Kummers, — ein Amt, das mit nichten eine Sinekure war;— Kate


