„Aber und abermal ſuchte ich ſie zu einem anderen Entſchluſſe zu bewegen, jedoch immer vergebens. Nur ein Mal zeigte ſie ſich einiger Maßen unſchlüſſig. Es war, als ich ihr Stolz, als die Urſache ihrer Weigerung, unterſchob. Plötzlich füllten ſich da ihre Augen, und es zitterte ihre Lippe, und es veränderten ſich ihre Züge ſo gewaltig, daß ich, wegen meiner eigenen Worie, mit mir boͤſe war.“
„„Stolz!““ rief ſie.„Wollen Sie damit jene un⸗ mäßige Selbſtachtung bezeichnen, welche die Vereinzelung der Sympathie vorzieht— die aus bloßem Hochmuthe Niemand verpflichtet ſein will, ſo kenne ich das Gefühl nicht. Unſer Stolz hat ſeinen Grund nicht in der Selbſt⸗ genügſamkeit— denn jeder Schritt im Leben lehrt uns, wie viel wir einander ſchulden; ſondern darin, daß wir bei unſern beſchränkten Mitteln und in unſerer niedrigen Stellung den Beweggründen und Grundſätzen, die uns in glücklichern Tagen leiteten, nicht untreu geworden ſind, und auch ferner nicht untreu zu werden gedenken. Ja, Sie koͤnnen uns ſtolz nennen, denn wir find es;— ſtolz, daß unſere Armuth uns nicht zur Gemeinheit herabge⸗ drückt hat— ſtolz, daß wir in einem fremden Lande Ge⸗ fühle der Freundſchaft, ja ſogar der Liebe eingeflößt— ſtolz, daß wir ohne eines jener Talente, oder einen jener Reize, welche die Menſchen anziehen, dieſes Beiſpiel von Edelmuth, deſſen Bote Sie jetzt ſind, veranlaßt haben. Ich ſchäme mich nicht, meinen Stolz in all' dieſem ein⸗ zugeſtehen.“
„Es war vergebens, weiter in ſie zu dringen, und mit der Bitte, daß, wenn in Folge eines künftigen Wech⸗ ſels der Umſtände ſie ſich veranlaßt ſehen würde, ihren Entſchluß zu ändern, fie den Antrag als fortbeſtehend an⸗ ſehen möchte, verabſchiedete ich mich.“
„Das iſt ja hoͤchſt ärgerlich,“ rief Onslow.
„Aergerlich!“ rief Grounſell;„Du nennſt es ärger⸗ lich, daß da, wo Du eine Wohlthat zu erweiſen ſuchteſt,


