Selbſtaufopferung gehoͤrt am Ende, wenn wir alle die kleineren Arten von Märterthum, die dieſes Leben kennt, durchgehen, über die des Mannes, der aus purer Phi⸗ lanthropie ſich dazu hergibt, der Gelangweilte einer ganzen Geſellſchaft zu ſein. Chre dem Manne, der die verlorene Mannſchaft dieſer Veſte der Langweile anführen kann. Hoch ſei er geprieſen der Mann, der von dem verführe⸗ riſchen Lächeln der Schönheit und den ſanften Stimmen der Jugend ſich abwenden und nur dem Langweiligen und Unintereſſanten Auge und Ohr leihen kann. Unter den Großthaten des nicht zudringlichen Heroismus ſollte dieſe obenan ſtehen; und wenn Du daran zweifelſt, mein lieber Leſer, wenn Du verſucht ſein ſolltteſt, ſolche kühne Thaten gering anzuſchlagen, ſo verſuche es ſelbſt— verſuche es auch nur ein Mal. Setze dich neben jene taube, alte Dame mit hellbrauner Perrücke, oder ziehe deinen Stuhl zu jenem ältlichen Herrn hin, deſſen zwitzernde graue Augen, und deſſen bebende Lippe eine unendliche Geſprächigkeit und eine unendliche Maſſe perſönlicher Erinnerungen verrathen. Thue das auch in der Nähe angenehmer Stimmen und muntern Gelächters— in der Nähe. jenes klingenden Gerieſels, das anzeigt, daß die Unterhaltung leicht dahin fließt, wie ein Bach im Sommer, klar, wo er ſeicht, und zurückſtrah⸗ lend, wo er tief iſt! Höre auf das ermüdende Verzeich⸗ niß von Familienſchickſalen— von Geburten, Todesfällen, und den Heirathen von Perſonen, die du nie geſehen, noch je zu ſehen hoffteſt— höre auf die langen Erzählungen von Ereigniſſen, die ſchon längſt Statt gefunden, die blind unter einander geworfen, verwechſelt oder falſch berichtet, und auf die Lob und Tadel ſtets irrig angewendet werden, — und ich ſage Dir, Du wirſt fühlen, daß ſolche Handlungen, obgleich ſie nicht mit rothen oder blauen Bändern belohnt werden, doch einen moraliſchen Muth und eine Ausdauer erheiſchen, die auf einem größeren Felde dem, ſo ſie an den Tag legt, zu hohem Ruhme und einer hohen Stel⸗ lung verhelfen.
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