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Albert Jekyl war ein Meiſter in dieſer großen Kunſt; und es entwickelten ſich in der That ſeine Kräfte mit dem Bedürfniſſe, ſo daß er anſcheinend um ſo aufmerkſamer und theilnehmender wurde, je unausſtehlicher und je lang⸗ weiliger die Perſon war, mit der er ſprach. Seine Geſichts⸗ züge waren wirklich eine Art„Langweile⸗Meſſer,“ worauf man nach der Lebhaftigkeit des Ausdruckes die Dummheit des Plagenden berechnen konnte; und das Queckſilber ſeiner Natur ſiel nicht, ſondern ſtieg unter dem Drucke. Und ſo hätte wohl Jeder geſagt, der ihn an jenem Abend geſehen hätte, wie er, neben Dalton ſitzend, ſtunde⸗ lang zuhörte, wie iriſche Gentlemen zu Grunde gerichtet und deren Vermoͤgen verſchwendet wurde. Welch' luſlige Zeiten waren es, als Jedermann dem Geſetze widerſtand und nie eine Schuld fürchtete! Nicht als ob er, während er all die raren Erfahrungen des Vaters verſchlang, für die Tochter kein Auge gehabt, und nicht geſehen hätte, was um ihn her vorging. Im Gegentheil, er bemerkte recht gut, wie Lady Heſter ſich an Kate Dalton anſchloß, geſchmeichelt durch jedes Zeichen ihrer unenuihrn Be⸗
wunderung, und entzückt von der von Staunen het eiteten Huldigung des ungekünſtelten Mädchens. Auch ſah er recht gut, wie Onslow ſich von den unbelebten Reizen der ge⸗ ſchnitzten Figuren Nellys abwandte, um die langen, dunkeln Augenwimpern und die ſchöne Geſtalt ihrer Schweſter zu bewundern. Er ſah die ganze, kleine Comodie, die um ihn her geſpielt wurde, ſogar die Verwirrung der armen Nelly, wie ſie mit Andy auf dem Theetiſche Alles anordnete, und, zum erſten Male ſeit ihrer Ankunft in Baden, ſich anſchickte, von jenem kleinen ſilber⸗ und goldplattirten Ser⸗ vice Gebrauch zu machen, das, auf einem marmornen Tiſche zur Schau ausgeſtellt, die unvermeidliche Zierde jedes auch noch ſo beſcheidenen Geſellſchaftszimmers in Deutſch⸗ land bildet. Er hörte ſogar, wie ſie, als ſie das Zimmer verließ, Andy wohl zwoͤlf Mal ſagte, wie er den Thee, den Zucker und die. Milch herbeiſchaffen ſolle— Ver⸗


