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„Nein, ſondern groͤßer!“ erwiederte Dalton die Hand
ſchwenkend. „ Es iſt wirklich ſo, wie Sie bemerken, ganz wahr,“ fuhr ihre Ladyſhip fort;„es iſt ganz und gar unmög⸗ lich, außerhalb Englands ſich auf neue Bekanntſchaften einzulaſſen, und Sie haben meinen herzlichen Beifall bei der Vorſicht, die Sie anwenden.“
„So ſage ich den Mädchen ſtets,—„„Beſſer keine Geſellſchaft, als eine ſchlechte!““ Nicht als ob ich nicht ſo gern, wie irgend Einer etwas Geſelligkeit liebte,— eine nette, kleine Geſellſchaft, die man ſo ganz kennt,— Leute, deren Väter und Mütter Namen hatten,— der wahre alte Stamm und Kern des Landes. Aber mit jedem Lumpen, den man zufällig auf den Kreuzwegen trifft, Bekanntſchaft zu machen,— mit Dieſem und Jenem vertrauten Umgang zu pflegen, das war nie meine Ge⸗ finnung.“ 4 1
Wir find es der Billigkeit ſchuldig, hier zu geſtehen, daß in dem ſanften Lächeln, womit Lady Heſter auf dieſe Rede antwortete, weniger Heuchelei lag, als man vermu⸗ then möchte; denn ſie verſtand, ſei es, daß die Schnellig⸗ keit, womit Dalton ſprach, oder, daß ſeine eigenthüͤmliche Betonung gewiſſer Worte Schuld daran war,— in der That auch nicht eine Sylbe von Allem, was er ſagte. Inzwiſchen ſaßen die beiden Mädchen ſtill und bewegungs⸗ los da. Nelly mit all der peinigenden Schaam, welche die Abgeſchmacktheit des Tons ihres Vaters,— die Ge⸗ meinheit einer Anmaßung, von der ſie ſo ganz hoffte, daß Jahre der Armuth ſie gemildert, wo nicht vertilgt hätten, einflößte; Kate, in ſtummer Bewunderung ihrer liebenswürdigen Beſucherin, deren graziöſes Weſen ſie mit nie endender Bewunderung erfüllte. Auch machte Lady Heſter keinen Verſuch, ſie in das Geſpräch zu ziehen, ſie war einzig und allein in der Abſicht gekommen, Herrn Dalton ganz für ſich einzunehmen; und Nichts durfte ſie daher in ihrem Vorhaben ſtören. Deßhalb höͤrte ſie auch


