37
daß keine Mühſeligkeiten Eurer mehr harrten, wenn ich fort bin!’¹“—.:
„Und warum ſollten wir nicht glücklich ſein, Frank,“ ſagte ſie ſtandhaft.„Es liegt keine Unehre in dieſer Ar⸗ muth, ſo lange die Noth nicht von der Art iſt, daß ſie dieſelbe anders erſcheinen läßt, als ſie wirklich iſt. Wir wollen lieber um den Geiſt beten, der zu dem Geſchicke paßt, das uns beſchieden iſt, welcher Art es immer ſein möge, als um ein Glück, das vielleicht nicht für uns paſſen würde.“
„Möchteſt Du vergeſſen, wer wir ſind, Helene?“ ſagte er in halb vorwurfsvollem Tone.
„Ich moͤchte mich, Frank, daran erinnern mit einem weniger an Stolz, als an Demuth erinnernden Gefühle.“
„Ich ſehe in all' Dieſem nicht viel vom Familien⸗ Geiſte,“ erwiederte er beinahe ärgerlich.
„Der Familiengeiſt?“ wiederholte ſie gefühlvoll. „Was hat er uns je Anderes gebracht, als Schaden? Hat er einen erhabenen Muth gegen die Uebel der Ar⸗ muth eingeflößt? Hat er uns gezeigt, wie wir die Noth mit Würde ertragen könnten, oder hat er uns Geduld und Unterwerfung unter unſer Schickſal gelehrt? Oder iſt er nicht im Gegentheil immer gegenwärtig geweſen, um uns zuzuflüſtern, wie verändert unſer Loos, unſere Glücks⸗Umſtände ſeien? Iſt er nicht Schuld daran, daß wir uns des Umganges mit Leuten ſchämten, mit denen wir in unſerer Lage umgehen konnten, und hat er uns nicht zur Vereinzelung geführt, und ohne alle Freunde gelaſſen, damit— ich errothe, das Wort zu mißbrauchen — unſerem Stolze Genüge geſchah? O, Frank, mein theurer, theurer Bruder, nimm es mir nicht übel, daß ich in den letzten Augenblicken, die wir, vielleicht für viele Jahre, bei einander ſind, ausſpreche, was Deinen Ohren unangenehm klingen mag; aber erinnere Dich, daß ich viel älter bin— daß ich weit mehr von der Welt geſehen habe, wenigſtens von deren Sorgen und deren Kummer,


