38
als Du. Ich habe in der That die Noth und Trübſal in mancherlei Geſtalten kennen gelernt, habe aber dabei nie einen ſchlechteren Tröſter gefunden, als das, was wir unſeren Stolz nennen!“
„So möchteſt Du denn, daß ich vergeſſe, daß ich ein Dalton bin?“ ſagte der Jüngling in einem Tone voll kummervoller Bedeutung.
„ Niemals! ſobald die Erinnerung eine edelmüthige Handlung eingeben, einen männlichen Ehrgeiz, oder einen hochherzigen Gedanken einfoͤßen kann; der Name wird aber ſeines Zaubers baar ſein, wenn man ſich deſſelben dazu bedient, einen herriſchen, unzufriedenen Geiſt zu nähren— wenn er nur dazu dienen ſoll, unſeren jetzigen Zuſtand mit dem, was er moͤglicher Weiſe hätte ſein koͤn⸗ nen, voller Bedauern kontraſtirend zu vergleichen, oder— was in einem weltlichen Sinne noch verderblicher iſt— wenn er uns auf den Ruf einer Familie, zu dem wir lediglich Nichts beigetragen, thörichter Weiſe pochen macht.“
„Ach, Du weißt nicht, theuerſte Nelly, welches Tro⸗ ſtes Du mich beraubt haſt,“ ſagte Frank kummervoll.
„Sprich nicht ſo, theuerſter Bruder,“ rief ſie, ihn umarmend; eine Täuſchung, eine bloße Illuſion verdient einen ſolchen Namen nicht. Sieh' über die Befriedigung bloßer Eitelkeit hinweg, und Du wirſt gegen die vielen Wunden geſtählt werden, welche die Eigenliebe im Ver⸗ kehr mit der Welt immer ſicher genug empfängt. Ich kann nicht ſagen, wie oder mit wem Du fortan zu leben beſtimmt biſt; aber ich bin überzeugt, daß ein Mann von Ehre und Wahrheit ſich in jeder Stellung Achtung zu verſchaffen weiß. Sei ein ſolcher Mann, theuerſter Frank. Wenn der Familienſtolz— wenn der Name Dalton in Deinen Augen einen Werth hat, ſo erinnere Dich, daß es an Dir iſt, zu zeigen, in wiefern er auf Auszeichnung Anſpruch machen kann. Iſt, wie ich gerne hoffe, Dein Herz hier bei uns, ſo bedenke, welche Freude, welch' hei⸗ lige Dankbarkeit Du um unſeren beſcheidenen Herd ver⸗


