Teil eines Werkes 
Bändchen 1-3 (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

Entſchluß faßte, Frank nicht gehen zu laſſen; aber er brauchte nicht lange nachzudenken, um einzuſehen, wie unbedeutend die Veränderung ſein würde. Es würde ja nichts Anderes heißen, als ihn die Armuth theilen laſſen

ihn auf das Wenige anweiſen, was für ſie ſelbſt be⸗

reits zu wenig.Wird wohl Graf Stephan den armen Mädchen als Freund zur Seite ſtehen? ſo fragte er ſich aber und abermal; und in ſeiner Ungewißheit griff er nach dem ſonderbaren Schreiben, worin der alte Ge⸗ neral Frank's Ernennung zum Kadetten anzeigte.

Das Papier, die Art, wie es zuſammengelegt war, die geraden, ſteifen Buchſtaben, paßten genau zu einem Style, der deutlich anzeigte, wie viele Jahre der General ſein Engliſch hatte ruhen laſſen. Das Schreiben lautete

alſo: Graben, Wien, Octob. 9, 18 Geehrteſter Herr und Neffel Ihr freundlich grüßender, aber lange unterwegs gebliebener Brief iſt in meinen Händen. Es gereicht mir zum Vergnügen, daß ich die Ernennung Ihres Sohnes zum Cadetten im 7. Bataillon von Karl⸗Franz⸗Infanterie Ihnen anzeigen kann. So laſſen Sie ihn denn ſich ſchleu⸗ nigſt hieher nach Wien begeben, wo er ſich vor dem Kriegs⸗ miniſter zu ſtellen, und ſeinen Taufſchein, als Beweis ſeiner Identität, vorzuweiſen hat. Ich bin Ihr ergebenſter und wohlaffektlonirter Oheim Graf Dalton von Auersperg, Generallieutenant und Feldzeugmeiſter, K. K. A. An den hoch⸗ und wohlgebornen Herrn Baron von Dalton in Baden⸗Baden.