Teil eines Werkes 
6. bis 10. Stück (1846)
Entstehung
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54 ſcheinung, wurden dieſe beiden jungen Mädchen plötzlich die anerkannten Schönheiten der Hauptſtadt, und jedes war von einer Schaar von Bewunderern begleitet, deren Enthuſiasmus auf hunderterlei Art ſich kund gab.

Ihre Lieblingsfarben, worin ſie auf einem Ball er⸗ ſchienen, waren am nächſten Tage Mode auf der Pro⸗ menade und ſogar die Ladies wurden mit angeſteckt; auch ſie rotteten ſich in Parteien, deren gegenſeitige Ei⸗ ferfucht Niemand mehr beluſtigte als die beiden Mädchen, die ihre Urſache waren.

Während damals die bittere Feindſchaft des Celten gegen den Sachſen in tauſend iriſchen Herzen heimlich gährte und ſich zum Element offener Empörung geſtal⸗ tete, war die Hauptſtadt durch einen friedlichern Hader getheilt, die engliſche und die iriſche Partei ſtanden einander gegenüber auf einem Kampfplatze, wo es den Sieg der Schönheit galt.

Es wäre unmsglich, ſich einen Wettſtreit vorzuſtel⸗ len, wo jedes unedle oder unwürdige Gefühl ſo gänzlich ausgeſchloſſen war. Weit entfernt von jeder Spur von Eiferſucht, war jeder kleine Triumph der Einen eine Quelle herzlicher Freude für die Andere, und während Sybella das Entzücken der Anhänger Katens über einen Erfolg zu Gunſten der iriſchen Sache theilte, ſo kannte Kate kein größeres Vergnügen, als den Aerger ihrer eigenen Partei, wenn Sybella unzweifelhaft Siegerin war. Es iſt ein Glück für uns, daß wir nicht verpflichtet ſind, eine ſo neue und liebliche Erſcheinung zu erklären— ge⸗ nug wenn wir ſie erwähnen. So viel iſt gewiß, der Mangel an allem Neide ſteigerte ihre Reize und erhöhte ſie in den Angen ihrer Bewunderer. Ueber dieſen Punkt allein war die Meinung ungetheilt— keine Partei nahm für ihren Abgott einen Vorzug dadurch in Anſpruch, daß ſie ihm einen größern Antheil an jener guten Eigenſchaft zuſchrieb, und auch die Bosheit hätte in ihrer gegenſei⸗ tigen Zuneigung keinen Unterſchied auffinden können. Eine einzige Perſon im ganzen Kreiſe ihrer Bekannt⸗