386 gerne erſparen, wenn ich mich nicht in dieſen Bekennt⸗ niſſen zu unbedingter Ehrlichkeit verpflichtet hätte, folg⸗
lich auch zur unverholenen Aufdeckung der ganzen Bit⸗ terkeit und des ganzen Jammers meiner Gemüthsſtim⸗
mung. Mit einem Wort, ich fühlte mich ſchwer belei⸗
digt; ich ſah keine Möglichkeit, wie die Sache wieder gut zu machen wäre und der einzige Troſt, der meinem verletzten Stolze, meiner in den Staub getretenen Nei⸗ gung übrig blieb, war, zu zeigen, daß ich mich zwar allerdings als Opfer fühle, jedenfalls aber nicht der Genarrte ſei. Sofort packte ich meine Sachen für die Reiſe zuſammen; wohin wußte ich nicht. Mein Urlaub war demnächſt abgelaufen; aber der Gedanke an meine Rückkehr zu meinem Regiment war mir unerträglich.
Miein einziger Wunſch ging darauf, München zu ver⸗ laſſen und zwar ſchleunigſt. Als alle meine Anordnun⸗
gen bereinigt waren, ging ich, um für Tagesanbruch Poſtpferde zu beſtellen, auf den Hof hinab und fand da zu meiner Ueberraſchung Alles in geſchäftiger Thä⸗ tigkeit. Noch in dieſer ſpäten Nachtzeit war ein Kurier aus England mit wichtigen Regierungsdepeſchen für Lord Callonby angekommen. Dies würde mich in jedem andern Augenblick gewaltig intereſſirt haben; jetzt aber hörte ich die Nachricht ohne die mindeſte Theilnahme an und traf alle nöthigen Anordnungen zu meiner Ab⸗ reiſe, ohne dem, was um mich her vorging, auch nur die geringſte Aufmerkſamkeit zu widmen. Ich war eben damit fertig, als Lord Callonby's Kammerdiener zu mir kam und ſagte: Se. Lordſchaft wünſche mich unverzüg⸗ lich auf ſeinem Zimmer zu ſehen. Obſchon ich gerne jeder weitern Zuſammenkunft ausgewichen wäre, ſo ſah
ich doch keine Möglichkeit hiezu und folgte alſo dem
Bedienten. Ich fand Lord Callonby in einem Schlafrock, mit einer Nachtkappe auf dem Kopf, umgeben von Papie⸗ ren, Briefen, Depeſchenbüchſen und rothverſiegelten Pa⸗


