Teil eines Werkes 
5. bis 8. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

383

Ja, Harry, mit deiner Hülfe, denke ich, kann viel

geſchehen. O, rechnen Sie in allweg auf mich, ſagte ich

mit Bitterkeit, die meinem Oheim nothwendig hätte

aauffallen müſſen, wäre ſeine Aufmerkſamkeit nicht von

Lady Callonby abgelenkt worden. 1

Was habe ich gethan? welche Sünde habe ich vor meiner Geburt ausgeheckt, daß allen meinen Unter⸗ nehmungen der ſchmähliche Stempel des Mißlingens aufgedrückt ſein muß? Iſt es nicht genug, daß mein Vetter, der nur um ein Paar Monate älter iſt als ich, reich ſein ſoll, während ich arm bin geehrt und mit Titeln geſchmückt, während ich unbekannt und ungeehrt bleibe? Soll er mir auch noch auf jedem Schritte des Lebens vorgezogen werden? Gibt es kein, auch noch ſo heiliges Gefühl des Herzens, das nicht dem Erſigeburtsgeſetze unterliegen müßte?

Was für ein lieber, alter Herr Sir Guy iſt! ſagte Lady Catherine, mich in meinen trübſeligen Ge⸗. danken unterbrechend,und wie galant; er macht Lady Jane recht eigentlich den Hof.

Und ſo war es auch. Der alte Gentleman brachte ſeine Huldigungen mit einer ſtudirten, ängſtlichen Be⸗ gierde zu gefallen dar, die mir wirklich ans Herz ging, wenn ich ſie mit anſah. Der Reſt des Tages war für mich qualvoll und ſchmerzhaft. Meine Abſicht, Mün⸗ chen plötzlich zu verlaſſen, war aufgegeben worden, warum? wußte ich ſelbſt nicht. Ich fühlte, daß ich hoffte, wo nichts zu hoffen war, und daß mein länge⸗ rer Aufenthalt keinen andern Erfolg haben werde, als den martervollſten Beweis, wie gewiß ich zur Enttäu⸗ ſchung verurtheilt ſei. Mein ganzes Räſonnement lief auf einen Punkt hinaus. Wenn fie Guy wirklich liebt, dann können meine gegenwärtigen Huldigungen ſie nur unglücktich machen, liebt ſie ihn nicht, welche Aus⸗ ſicht iſt dann vorhanden, daß eine ſo ſtolze Familie wie Callonby's ihre Tochter eine bloße Neigungsheirath