378
meines Strebens, indem ich fragte, ob Lady Jane die wilden Klippen und die ſteinige Küſte von Clare in⸗ mitten der hohen Berge und Gletſcher Tyrols gänzlich vergeſſen habe.
„Nein, nicht im mindeſten,“ antwortete ſie,„ich habe eine ſehr klare Erinnerung an den kühnen Mogher und die rollenden Wogen des atlantiſchen Ozeans, und ich ſehne mich, ihren Schaum wieder einmal auf mei⸗ ner Wange zu verſpüren; aber ich kenne dieſe Herr⸗ lichkeiten ſchon von Kindheit auf— Ihre Bekanntſchaft mit denſelben iſt von jüngerem Datum und wohl auch mit weniger glücklichen Erinnerungen verknüpft.“
„Mit weniger glücklichen Erinnerungen— wie können Sie ſo ſprechen? Habe ich nicht dort die glän⸗ zendſten Stunden meines Lebens zugebracht? Habe ich nicht dort zum erſten Mal—
„Kilkee ſagt mir,“ verſetzte Lady Jane, mich kurz unterbrechend,„daß Miß Bingham ungemein hübſch iſt.“
Dieſe Bemerkung forderte mich zur Rache heraus; ich murmelte daher etwas von Verſchiedenbeit des Ge⸗ ſchmacks u. ſ. w., und fuhr dann fort:„Wie ich höre, hat mein würdiger Vetter Guy das Glück gehabt, in Paris Ihre Bekanntſchaft zu machen.“
Nun war es an ihr, zu erröthen; ihre Wangen flammten, und ſie antwortete nichts.
„So viel ich weiß, wird er demnächſt in München erwartet,“ ſagte ich, meine Augen auf ſie heftend und mich bemühend, ihre Gedanken zu leſen; ſie wurde noch röther, aber mir ſtrömte das Blut eiskalt nach dem
Herzen, indem ich Alles überdachte, was ich gehört
hatte, und ich murmelte vor mich hin:„Sie liebt ihn.“ „Mr. Lorrequer, der Wagen ſteht bereit, und da wir dieſen Morgen in die Gallerie gehen, wo viel zu ſehen iſt, ſo bitten wir um Ihre Begleitung.“ „O, ich bin feſt überzeugt,“ ſagte Catherine,„daß er uns von bedeutendem Nutzen ſein wird, namentlich wenn ſeine Kunſtkennerſchaft auf gleicher Höhe ſteht wie


