365
Gnaden iſt, und dachtsé nun, die bayriſche Höflichkeit bringe es mit ſich, Jedermann Exzellenz zu nen⸗ nen.
„Sie ſind, glaube ich, noch nicht vorgeſtellt?“
„Nein,“ ſagte ich; aber ich hoffe bald Gelegenheit zu bekommen, Sr. Majeſtät meine Huldigungen dar⸗ zubringen.“
„Ich habe ſo eben Befehl erhalten, Sie jetzt vor⸗ zuſtellen,“ verſetzte er mit einem neuen Bückling.
„Den Teuſel haben Sie,“ dachte ich.„Welch au⸗ ßerordentliche Höflichkeit!“ und obſchon ich viele Anek⸗ doten von der ungezwungenen Lebensweiſe am bayri⸗ ſchen Hof gehört hatte, ſo überraſchte mich dies doch dermaßen, daß ich wirklich, um einer Irrung vorzubeu⸗ gen, ſagte:„Habe ich dies ſo zu verſtehen, Herr Graf, daß Se. Majeſtät huldreichſt geruhen⸗—
„Wenn Sie mir gefälligſt folgen wollten,“ ver⸗ ſetzte der Hofmann mit ſeinem Hute winkend, und im nächſten Augenblick drängte ich mich durch einen Hau⸗ fen von Baroneſſen, Gräfinnen und Herzoginnen nach der erhabenen Plattform, wo der König ſtand.
„Gott gebe, daß ich ihn nicht mißverſtanden habe,“ war mein letzter Gedanke, als die Schaar der Höflinge auf beiden Seiten zurückwich, und ich mich mit einem tiefen Bückling vor Sr. Majeſtät befand. Wie der Oberhofmarſchall mich betitelte, hörte ich nicht; aber als der König mich ſogleich engliſch anredete und ſagte: „Ich hoffe, Ew. Erzellenz haben eine gute Reiſe ge⸗ habt,“ da dachte ich: 16 gG
„Nein, es iſt doch kein Irrthum, Harry, ſondern blos wieder eine Laune des Schickſals, das jetzt freund⸗ lich gegen Dich geſtimmt iſt.“
Der König war ein hübſcher, großer, wohlgebau⸗ ter Mann mit einem langen buſchigen Schnurrbart, und beſaß einen, wenn auch nicht gerade ſchönen, doch höchſt angenehmen Ausdruck; er ſprach ſehr ſchnell und nicht gerade das beſte Engliſch, ſo daß ich nur mit der


