Teil eines Werkes 
5. bis 8. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

363

mich binnen wenigen Minnten in der langen Reihe von Wägen, die nach dem Hofſaal führte. Jedermann, der in München war, wird mit's bezeugen, daß der könig⸗ liche Ballſaal einer der ſchönſten in Europa iſt, und für mich, der ich einige Zeit nicht in der hohen Welt ge⸗

lebt, hatte ſeine Herrlichkeit wirklich etwas Blendendes. Der Glanz der Kronleuchter— das Getöne der Muſik

— die Pracht der Kleider— die Schönheit der bai⸗ riſchen Damen= Alles überraſchte mich und erfüllte mich mit Staunen. Es waren mehrere hundert Perſonen anweſend, aber da der König noch nicht gekommen war, ſo hatte der Tanz nicht begonnen. In meiner derma⸗ ligen Gemütysverfaſſung war es mir mehr eine Er⸗ leichterung, als eine Verlegenheit, daß ich Niemand kannte. Ich fand Unterhaltung genug, indem ich in den Salons auf und abging und mir die ſeltſamen Ko⸗ ſtüme ſo wie die verſchiedenen Gruppen anſchaute, die ſich um die glänzenden Behälter von Eis und Cham⸗ pagner verſammelten. Das Geſumme der ſprechenden Stimmen und das fröhliche Gelächter übertönte ſelbſt das Orcheſter, und als die muntern Haufen in den Zimmern hin und her paradirten, war Alles Vergnü⸗ gen und Heiterkeit. Plötzlich hörte man draußen ein

furchtbares Getöſe, dann kam ein lautes Trommelge⸗

wirbel, das mehrere Sekunden andauerte, vermiſcht mit Musketengeklirr— ſodann ein ſchallendes Lebehochz— es iſt der König. 1 ds.

Der Königl erſcholl es von allen Seiten; und im nächſten Augenblick wurden die großen Flügelthüren am Ende des Saales aufgeworfen und die Muſtk ſtimmte die bayriſche Nationalhymne an. 9

Se. Majeſtät trat ein, begleitet von der Königin,

ſeinem Bruder, zwei oder drei Prinzeſſinnen und einer

langen Suite von Offtzieren.

Ich konnte nicht umhin, den wirklich feinen Ge⸗ ſchmack zu bemerken, welchen die Verſammlung bei dieſer Gelegenbeit an den Tag legte. Obſchon alle