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hatten. Der Lärm hörte auf, und ich blickte nach dem Gerichtshauſe in der Erwartung, es werde unmittelbar ein verzweifelter Angriff auf das Gebäude und die darin ſich befindenden Perſonen ſtattfinden. Aber nichts von dieſer Art erfolgte; die Menge begann bereits ſich zu zerſtreuen; bevor ich mich noch vollkommen von der Auf⸗ regung dieſer wenigen furchtbaren Augenblicke erholt hatte, war der Platz beinahe geleert und es war mir faſt zu Muthe, als ſeien die wilden, wahnſinnigen Töne, die noch immer in meinen Ohren klangen, durch eine fieberhaft erhitzte Einbildungskraft heraufbeſchworen worden.
Als ich wieder bei Tiſche mit unſerer Geſellſchaft zuſammentraf, konnte ich nicht umhin mit Ueberraſchung zu bemerken, wie wenig ſie in mein Gefühl für die Ereigniſſe des Tages einſtimmte; ſie betrachteten die⸗ ſelben wirklich blos von ihrem profeſſionellen Geſichts⸗ punkte aus— ſie kritiſirten die Reden der beiderſeiti⸗ gen Anwälte, ſowie den Charakter der verſchiedenen Zeugen, die verhört worden waren.
„Nun,“ ſagte Mr. Daly, unſern Wirth anredend, „heute hätten Sie es doch zu keiner Ueberführung ge⸗ bracht, wenn Mickey nicht geweſen wäre; er iſt der beſte Zeuge, den ich jemals gehört habe. Ich möchte doch wiſſen, wie Sie einen ſo geſchickten Kerl ſo voll⸗ ſtändig in Ihre Klauen bekommen haben.“
„Durch einen bloßen Zufall und auf eine höchſt einfache Art,“ antwortete der Richter.„Es war an einem unſerer mühevollſten Werktage— die halbe Graf⸗ ſchaft war in der Stadt, als die Nachricht einlief, daß die Walſhes in der Nacht zuvor auf der Kreuzſtraße über den Telenamucker Mühlen ermordet worden ſeien. Ich bekam dieſe Kunde, als ich eben in Zehntſachen ei⸗ nige Haftbefehle unterzeichnete, wovon einer gegen Mi⸗ ckey gerichtet war. Ich beſchickte ihn auf das Amt, und da ich wußte, daß er in das Geheimniß aller Ver⸗ brechen eingeweiht war, ſo gab ich mir den Anſchein⸗
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