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ſer hörte man die eintönige Stimme des Gerichtsſchrei⸗ bers, der die Jury vor ihrem Spruche anredet. Als der Obmann aufſteht, da neigt ſich jedes Ohr— jedes Auge iſt geſpannt— jede Herzfiber zuckt: ſeine Lippen bewegen ſich, aber er wird nicht gehört; der Richter erſucht ihn, lauter zu ſprechen; ſein bisher blutloſes Ge⸗ ſicht färbt ſich; er ſcheint einige Sekunden lang mit mächtiger Anſtrengung zu arbeiten, und endlich ſpricht er die Worte aus: Schuldig, Mylord— Alle ſchuldig!“
Ich habe das wilde Kriegsgeheul des rothen In⸗ dianers gehört, wenn er in ſeinem eigenen Fichtenwald unerwartet auf die Spur ſeines Feindes gerathen, und die beinahe erloſchene Hoffnung auf Rache in ſeinem grauſamen Herzen neu entzündet worden iſt— ich habe das kaum weniger wilde Hurrah einer ſtürmenden Mann⸗ ſchaft vernommen, wenn ſie die ſich zerbröckelnden Trüm⸗ mer einer Breſche überſtiegen, und mit dieſem einzigen gellen Geſchrei alle, die ihrer warten, dem Feuer und Schwert geweiht hat— einmal in meinem Leben iſt es auch mein Schickſal geweſen, das letzte Trotzgeheul einer Piratenſchaar zu hören, die, beſtrichen vom gan⸗ zen Feuer einer Fregatte, lieber untergehn, als ſich er⸗ geben wollte, und zu Boden ſank mit einem heraus⸗ fordernden Gejauchze, welches ſelbſt die feuerſpeiende Artillerie übertönte, die ſie zerſtörte, jedoch nicht zu bezwingen vermochte;— aber nie, in keinem von all, dieſen grauenhaften Augenblicken zuckte mein Herz bei ſolchen Tönen, die jetzt die Luft zerriſſen, als das ver⸗ hängnißvolle Schuldig von denen drinnen pehört und denen draußen wiederholt wurde. Es war nicht Gram
— es war nicht Verzweiflung— es war auch nicht der Schrei einer peinigenden, unbezähmbaren Angſt in Folge einer plötzlich zerſtörten Hoffnung— es war der mühſam und lang zurückgehaltene, der ſorgfältig ver⸗ hehlte Ausdruck eines Gefühls, das laut nach Rache ſchrie— nach blutrother, rauchender Rache an Allen, welche zu dem ſo eben gefällten Spruche mitgewirkt


