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gen entſtehen konnten, wenn die Mannſchaft zu thäti⸗ gem Einſchreiten aufgefordert wurde.
Von der Zeit an, da dieſer Gedanke ſich meiner bemächtigt hatte, wurde mir ungemein ſchlecht zu Muthe. Jeder Ausdruck unter dem Volke, der ein neues Sta⸗ dium des Prozeſſes ankündigte, beunruhigte mich blos wegen ſeines Schluſſes, der nach meinem Dafürhalten nicht mehr ferne ſein konnte, und ich begann mit Auf⸗ bietung alles mir zu Gebote ſtehenden Scharfſinns mei⸗ nen Rückzug zu verſuchen, wovon ich aber nach halb⸗ ſtündigem, mühevollem Kampfe, der mich kaum um zn Schritte vorwärts gebracht hatte, gänzlich ab⸗
and.
Endlich hörte der Anwalt der Krone, der ſein Re⸗ quiſitorium geſtellt hatte, auf, und vom Gerichtshauſe her wurde ein undeutliches Gemurre vernommen, das aber durch ein kräftiges„Stille!“ von allen Seiten des Gerichtsdieners bald beſchwichtigt war. Alles ſchien jetzt ſtill und ſchweigſam wie das Grab— doch konnte man, wenn man einige Zeit aufmerkſam lauſchte, die dumpfen Töne einer Stimme vernehmen, die, wie es ſchien, mit großer Bedachtſamkeit und ſehr langſam ſprach. Es war dies der Richter, der die Jury anre⸗ dete. Bald hörte auch er auf; länger als eine halbe Stunde blieb das Schweigen gänzlich unterbrochen, und ſowohl in als außer dem Hauſe herrſchte eine geſpannte, peinvolle Angſt, die jedes Gefühl verſchlang und jedem Geſicht einen Ausdruck der qualvollſten Ungewißheit gab. Wirklich war auch dieſer Zeitpunkt wohl geeignet, eine ſolch' tiefe Aufregung hervorzurufen. Die Jury hatte ſich zurückgezogen, um über ihren Spruch zu berathen. Endlich hörte man eine Thüre ſich öffnen und die Fuß⸗ tritte der Geſchworenen, als ſie ihre Plätze wieder ein⸗ nahmen, tönten durch den Saal und wurden von denen draußen gehört. Wie ſchwer auf manches mannhafte Herz dieſe Fußtritte fielen! Sie hatten ihre Sitze ein⸗ genommen— dann kam eine neue Pauſe— nach die⸗
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