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Gelegenheit mich in den Stand ſetzen, durch einen mei⸗ ner juriſtiſchen Bekannten Zulaß zu erhalten.
Daß das Schickſal derjenigen, bei denen es ſich um Leben oder Tod handelte, das ganze Gefühlsver⸗ mögen der draußen harrenden Menge in Anſpruch nahm, davon konnte ich mich ſchon durch einen fluchtigen Blick auf die Hunderte von angſtvollen und gramverzehrten Geſichtern vollſtändig überzeugen. Bewegungslos und ſtill ſtanden ſie da: ſie fühlten keine Ermüdung— kein Bedürfniß nach Nahrung oder nach Erfriſchungen irgend
einer Art— ihr Intereſſe war ein einziges und un⸗
getheiltes— alle ihre Hoffnungen und Befürchtungen
waren auf die Dinge konzentrirt, die in kurzer Ent⸗
fernung von ihnen vorgingen, und die in Folge der 8
Uuwiſſenheit, worin man über ſie ſchwebte, eine wei⸗
tere ſchmerzlich aufregende Kraft hatten— denn die einzige Kenntniß über den wirklichen Stand der Dinge beruhte auf einem gelegentlichen Worte, zuweilen einer bloßen Geberde von einer am Fenſter ſtehenden Perſon zu einem Freund im dem Gedränge.
Als die Betrachtung dieſer ungemein eindrucksvol⸗ len Scene in Folge der Läſtigkeit meiner Stellung mich zu langweilen anfing, dachte ich auf meinen Rückzug, überzeugte mich aber bald von der Unmöglichkeit jedes
Schrittes in dieſer Richtung. Die Menge hatte ſo voll⸗
ſtändig alle Zugänge blokirt, daß ich, wenn es mir auch gelungen wäre, von dem Marktplatze wegzukom⸗ men, damit weiter nichts gewonnen, ſondern feſt ein⸗ gepreßt unter dem Haufen auf der Straße hätte blei⸗ ben müſſen.
Jetzt fiel mir auch ein, daß ich, obſchon Larkins mich verſichert hatte, daß man meine oder meiner Leute Dienſte unmöglich vor Beendigung des Prozeſſes in An⸗ ſpruch nehmen könne, im Falle er in dieſem Augenblick aufhörte, gänzlich außer Stands wäre, den Platz wie⸗ der zu erreichen, wo ich ſie aufgeſtellt hatte, und daß aus der Abweſenheit ihres Offiziers die ernſtlichſten Fol⸗


