Teil eines Werkes 
1. bis 4. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

37

die Anweſenheit des Oberſten, ſo gefürchtet er war, nicht gänzlich zu überwältigen vermochte.

Mit der Miene eines Märtyrers ſtieg ich ſchwer⸗ fällig die Treppe hinan und in mein Quartier, auf entſetzliche Racheplane finnend für die nunmehr offen⸗ kundige Tyrannei meines Oberſten, gegen welchen ich ſelbſt jetzt in der ehrlichen Geradheit meines Herzens ein Kriegsgericht hervorzurufen mir gelobte. Ich warf mich auf einen Stuhl und bemühte mich, meine Ge⸗ danken zu ſammeln, welche Umſtände des verfloſſenen Abends wohl all die Luſtigkeit hervorgebracht haben können, an der Offiziere und Soldaten gleichen An⸗ theil genommen hatten, aber ich konnte mich auf nichts befinnen, was das Geheimniß aufzuklären vermochte— denn wahrhaftig die grauſame Seelenpein des mann⸗ haften Othello war kein Gegenſtand zum Lachen.

Ich klingelte haſtig meinem Bedienten; die Thüre öffnete ſich.

„Stubbes,“ ſagte ich,„merkſt Du vielleicht—“

Weiter war ich in meiner Frage noch nicht ge⸗ kommen, als mein Bedienter, einer von den beſchei⸗ denſten Menſchen der Welt, ſeltſam zu grinſen anfing und ſich gegen die Thüre wandte, um ſein Geſicht zu verbergen.

„Was zum Henker ſoll das bedeuten?“ rief ich, voll Unmuth auf den Boden ſtampfend;„der Kerl iſt ſo verrückt, wie die andern Alle.„Stubbes,“ dies ſprach ich im ernſteſten, ſtrengſten Tone,„wie kommſt Du zu dieſer Ungezogenheit?“

„Ach, Sir,“ ſagte der Burſche,„ach, Sir, Sie ſind doch nicht mit dieſem Geſichte auf die Parade ge⸗ gangen?“ und dann brach er in ein unauslöſchliches Gelächter aus.

Wie der Blitz drang mir ein plötzlicher Gedanke durch die Seele. Ich ſprang auf nach dem Spiegel,* der wieder an Ort und Stelle gebracht worden war, und o des Entſetzens! da ſtand ich ſo ſchwarz wie der