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Lessing's Emilia Galotti : ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
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Sit. Böſes Dir? So muß ſie Gutes Doch wahrſcheinlich wenig hahen.

Recha. Doch! recht viel Recht viel!

Sit. Wer iſt ſie?

Recha. Eine Chriſtin, die In meiner Kindheit mich gepflegt, mich ſo Gepflegt! Du glaubſt nicht! Die mir eine Mutter So wenig miſſen laſſen! Gott vergelt'

Es ihr! Die aber mich auch ſo geängſtet! Mich ſo gequält!

Sittah. Und über was? warum? Wie?

Recha. Ach! die arme Frau, ich ſag' Dir's ja, Iſt eine Chriſtin, muß aus Liebe quälen;. Iſt eine von den Schwärmerinnen, die Den allgemeinen, einzig wahren Weg Nach Gott zu wiſſen wähnen!

Sittah. Nun verſteh' ich.

Recha. Und ſich gedrungen fühlen, einen Jeden, Der dieſes Weg's verfehlt, darauf zu lenken. Kaum können ſie auch anders; denn iſt's wahr,

Daß dieſer Weg allein nur richtig führt:

Wie ſollen ſie gelaſſen ihre Freunde

Auf einem andern wandeln ſehen, der in's Verderben ſtürzt, in's ewige Verderben?

Es müßte möglich ſein, denſelben Menſchen

Zur ſelben Zeit zu lieben und zu haſſen... Auch iſt's das nicht, was endlich laute Klagen Mich über ſie zu führen zwingt. Ihr Seufzen,

Ihr Warnen, ihr Gebet, ihr Drohen hätt'