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Lessing's Emilia Galotti : ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
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Kann ſein! kann ſein!— Ich bin ein junger Laffe,

Der immer nur an beiden Enden ſchwärmt! Bald viel zu viel, bald viel zu wenig thut;— Auch das kann ſein! Verzeiht mir, Nathan.

Nath.

Ihr ſo mich freilich faſſet.— Tempelh. Kurz, ich ging Zum Patriarchen; hab' Euch aber nicht 6

Genannt. Das iſt erlogen, wie geſagt!

Ich hab' ihm bloß den Fall ganz allgemein Erzählt, um ſeine Meinung zu vernehmen.— Auch das hätt' unterbleiben können: ja doch!— Denn kannt' ich nicht den Patriarchen ſchon

Als einen Schurken? Konnk' ich Euch nicht ſelber

Wenn

Nur gleich zur Rede ſtellen?— Mußt' ich der

Gefahr, ſo einen Vater zu verlieren,

Das arme Mädchen opfern?— Nun, was thuts! Die Schurkerei des Patriarchen, die

So ähnlich immer ſich erhält, hat mich

Des nächſten Weges wieder zu mir ſelbſt

Gebracht.— Denn hört mich, Nathan, hört mich aus! Geſetzt; er wüßt' auch Euren Namen: was b Nun mehr, was mehr?— Er kann Euch ja das Mädchen Nur nehmen, wenn ſie Niemands iſt, als Euer;

Er kann ſie doch aus Euxem Hauſe nur

In's Kloſter ſchleppen.— Alſo— gebt ſie mir! Gebt ſie nur mir, und laßt ihn kommen. Ha!

Er ſolls wohl bleiben laſſen, mir mein Weib 3 Zu nehmen.— Gebt ſie mir, geſchwind!— Sie ſei Nun Eure Tochter, oder ſei es nicht! Sei Chriſtin, oder Jüdin, oder keines!