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Lessing's Emilia Galotti : ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
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Conti. Prinz, die Kunſt geht nach Brod.

Prinz. Das muß ſie nicht; das ſoll ſie nicht, in meinem kleinen Gebiete gewiß nicht. Aber der Künſtler muß auch arbeiten wollen.

Conti. Arbeiten? das iſt ſeine Luſt. Nur zu viel arbeiten müſſen, kann ihn um den Namen Künſt⸗ ler bringen.

Prinz. Ich meine nicht vieles, ſondern viel: ein Weniges; aber mit Fleiß. Sie kommen doch nicht leer, Conti?

Conti. Ich bringe das Porträt, welches Sie mir befohlen haben, gnädiger Herr. Und bringe noch eines, welches Sie mir nicht befohlen: aber weil es geſehen zu werden verdient

Prinz. Jenes iſt? Kann ich mich doch kaum erinnern

Conti. Die Gräfin Orſina.

Prinz. Wahr? Der Auftrag iſt nur ein we⸗

nig von lange her. Conti. Unſere ſchönen Damen ſind nicht alle Tage zum Malen. Die Gräfin hat, ſeit drei Mo⸗ naten, gerade ein Mal ſich entſchließen können, zu ſitzen.

Prinz. Wo ſind die Stücke?

Conti. In dem Vorzimmzus ich hole ſie.

Dritter Auftritt. 2 Der Prinz.

Ihr Bild! mag! Ihr Bild, iſt ſie doch nicht

ſelber. Und vielleicht find' ich in dem Bilde wieder,