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Lessing's Emilia Galotti : ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
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was ich in der Perſon nicht mehr erblicke. Ich will es aber nicht wiederfinden. Der beſchwerliche Ma⸗ ler! Ich glaube gar, ſie hat ihn beſtochen. Wär' es auch! Wenn ihr ein anderes Bild, das mit andern Farben, auf einen ander Grund gemalet iſt, in meinem Herzen wieder Platz machen will: Wahr⸗ lich, ich glaube, ich wär' es zufrieden. Als ich dort liebte, war ich immer ſo leicht, ſo fröhlch, ſo aus⸗ gelaſſen. Nun bin ich von allem das Gegentheil. Doch nein;z nein, nein! Behäglicher, oder nicht be⸗ häglicher; ich bin ſo beſſer.

Viertrr Auferitt. Der Prinz, Conti, mit den Gemälden, wovon er das eine verwandt gegen einen Stuhl lehnet.

Conti(indem er das andere zurecht ſtellt.) Ich bitte, Prinz, daß Sie die Gränzen unſerer Kunſt erwägen wollen. Vieles von dem Anzüglichſten der Schön⸗ heit, liegt ganz außer den Gränzen derſelben. Treten Sie ſo!

Prinz(nach einer kurzen Betrachtung.) Vortreff⸗ lich, Conti; ganz vortrefflich! Das gilt Ihrer Kunſt, Ihrem Pinſel. Aber geſchmeichelt, Conti;z ganz un⸗ dlich geſchmeichelt Lonti. Das Original ſchien dieſer Meinung nicht a ſein. Auch iſt es in der That nicht mehr ge⸗ ſhmeichelt als die Kunſt ſchmeicheln muß. Die Kunſt muß malen, wie ſich die plaſtiſche Natur, wenn es eine giebt das Bild dachte: ohne den Abfall, welchen der widerſtrebende Stoff unvermeidlich macht;