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Die beiden Liberalen : aus den Memoiren eines jungen Parisers / herausgegeben von Leontine Romainville
Entstehung
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Entweichung von ihnen erhalten hatte. Oft ſprach Cornelie ihren Kummer daruͤber gegen mich aus, aber all mein Bemuͤhen, Aufklaͤrung zu erhalten, blieb ver⸗ geblich. Dieſes abgerechnet, truͤbte nichts die Heiter⸗ keit meiner Gattin, als wir ſchon ein Jahr in Ita⸗ lien zugebracht hatten, und ich ihr meinen Plan erdͤff⸗ nete, ſie im Fruͤhjahre nach Frankreich zu fuͤhren, um ſie mit meinen Guͤtern um Paris bekannt zu machen. Von der Beſorgniß uͤber das Wohl meines Vater⸗ landes, deſſen Rechte ich taͤglich auf frevelhafte Weiſe mehr geſchmaͤlert ſah, ſchwieg ich gegen die Tochter eines abſoluten Landes, die trotz dem, was ich fruͤher von ihren Wuͤnſchen, ſich uͤber das Offentliche zu unterrichten, ſagte, dennoch keinen deut⸗ lichen Begriff von Frankreichs allgemeiner Klage ha⸗ ben konnte. Ihre Äußerung an jenem Abend im Garten ihres Vaters uͤber die blutige Revolution des letzten Jahrhunderts war mir noch gegenwaͤrtig ge⸗ nug, als daß ich ſie aus ihrer Unwiſſenheit uͤber den wahren Zuſtand der Dinge haͤtte aufwecken moͤgen; aber ich wollte zuruͤck in meine Heimat, wo die druͤ⸗ ckende Schwuͤle des politiſchen Horizonts ein nahes Gewitter weisſagte.

Auf dieſer Ruͤckreiſe langten wir eines Tages in einem freundlichen Dorfe an. Romantiſch war ſeine Lage am Fuße einer von Rebenguirlanden bedeckten Huͤgelkette, die aus dem glaͤnzenden Silberſtrome