— 30—
von einem theuern Freunde, der erſte wichtigſte Grund zu meinem Grolle gegen Paris, ſo hat mein Mis⸗ muth noch in dem ſchwankenden Zuſtande meines eig⸗ nen Sinnens ſeine Entſtehung. Mein Nachdenken, Beurtheilen, heute fuͤr einſichtsvoll zu erklaͤren, was mir morgen als Grille erſcheint, erbitterte mich gegen mich ſelbſt und Sie errathen wol nicht, daß meine Hauptanklage gegen meine Vaterſtadt und gegen meine dortigen Verhaͤltniſſe geht.
Dieſes Geſtaͤndniß befremdete ihn, denn niemals, glaubte er, koͤnnte ein Pariſer Tadelnswerthes an Pa⸗ ris finden.
Nicht, ſagte er, daß ich nicht Manches in der Naͤhe betrachtet in einem weniger guͤnſtigen Lichte fand, als es mir aus der Ferne erſchien, aber dem⸗ ungeachtet bleibt der Totaleindruck ſo impoſant groß⸗ artig, daß ich, was den Fremden als ſolchen noch anſtoͤßig ſein muß, von Franzoſen, als ihrem Cha⸗ rakter zuſagender, uͤberſehen glaubte. Ihre Ver⸗ haͤltniſſe vollends, lieber Dorval, ſchienen mir zu den gluͤcklichſten zu gehoͤren, indem Stellung und Vermoͤ⸗ gen, Bildung und Anſehen Sie in Ihrer freigeſinn⸗ ten Vaterſtadt den erſten Claſſen zugeſellen. So viel ich weiß, ſind Sie durchaus unabhaͤngig in der Welt, zwar aͤlternlos, aber auch aller laͤſtigen Verwandt⸗ ſchafts⸗ und Geſellſchaftsbande entledigt, und ohne Rechenſchaft abzulegen, moͤgen Sie Zeit und Willen


