Druckschrift 
Die beiden Liberalen : aus den Memoiren eines jungen Parisers / herausgegeben von Leontine Romainville
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

feinfuͤhlendes, fuͤr alles Schoͤne empfaͤngliches Herz be⸗ wundern konnte, ſo ließ ich ihn im Übrigen gewaͤh⸗ ren und ſeinen Weg auf ſeine Weiſe gehen. Seinen Familiennamen: Leuchtenhauſen, mußte er in Paris faſt aufgeben, denn die Articulation deſſelben war den Franzoſen ſo ſchwierig, daß der junge Mann ſich zu⸗ letzt ſelbſt am liebſten Monſieur Ferdinand nennen ließ, um nur nicht laͤnger die Qual der Redenden mit anzuſehen; aber ſelten ſah ich mit aͤhnlicher Gleich⸗ guͤltigkeit, wie bei ihm, einen Deutſchen ſo wenig Werth auf das den Adel erklaͤrende Vorwoͤrtchen von legen. Dieſe gewoͤhnliche Weglaſſung verzieh er den Franzoſen noch leichter als die Verſtuͤmmelung ſeines Namens, und uͤberhaupt war er aͤußerſt nachſichtig gegen meine Landsleute, ja ſogar eingenommen fuͤr Paris. Ich will damit nicht geſagt haben, er haͤtte ſein eignes Vaterland nicht zu ſchaͤtzen verſtanden, er haͤtte die mannichfachen Tugenden des Kerns der deutſchen Nation uͤberſehen, aber es waren gewiſſe Inſtitutionen, gewiſſe Vorrechte und Vorurtheile ein⸗ zelner Staͤnde, die ihn daheim empoͤrten und Frank⸗ reich bedingungsweiſe den Vorzug geben ließen. War er gleich etwas ſentimental uͤberſpannt, wie ich dieſes bei den Deutſchen, gegen uns Franzoſen verglichen, ſchon oft Gelegenheit hatte, zu bemerken, ſo war doch eine gewiſſe Heftigkeit die Grundlage ſeines Charak⸗ ters, die ſich nie verleugnete, und die ein Wohlwol⸗