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Die beiden Liberalen : aus den Memoiren eines jungen Parisers / herausgegeben von Leontine Romainville
Entstehung
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dagegen einmal ſein Collegium erwaͤhlt und die Stu⸗ dien begonnen, ſo beendet man ſie auch dort, ehe man auf die Univerſitaͤt koͤmmt. Die Nothwendigkeit des Zuſammenlebens mit denſelben Perſonen, die gleichen Faͤhigkeiten, dieſelben Richtungen der Neigungen und Geſinnungen bringen bald einen Theil der Schul⸗ kameraden in naͤheres geſchwiſterliches Verhaͤltniß, und dieſes bis jetzt ungekannte Gefuͤhl der Freundſchaft, welches hier in jugendlicher Kraft die erſte und zu⸗ gleich alle Nahrung findet, um ſich auszubilden, er⸗ reicht auf dieſe Weiſe den hoͤchſten Grad der Staͤrke. Es wird durch die lange unnatuͤrliche Entbehrung um deſto maͤchtiger, eingreifender, unzerſtoͤrbarer; und wie ſich in ungluͤcklichen Kriegszeiten die ſchoͤnſten Thaten, die edelſten Handlungen der Theilnahme of⸗ fenbaren, ſo wird durch den traurigen Misbrauch der Entfremdung einer Familie eine der zarteſten Em⸗ pfindungen, naͤmlich die der Freundſchaft, geheiligt.

Zweiles Capitel.

Die erſten Jahre nach unſerm Austritt aus dem Collegium Heinrichs IV. laſſen wenig berichten. Ich brachte den Sommer, ſpaͤt bis in den Herbſt, auf den